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Lernplattform
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Wie Arzneimittel grüner werden

Wie können Wirkstoffe umweltfreundlicher designt und hergestellt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das EU‑geförderte Projekt »TransPharm«. Daraus ist auch die Lernplattform SPLASH entstanden, die Themen rund um grüne Arzneimittelproduktion und -entwicklung vermittelt. Sie richtet sich unter anderem an Studierende.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 30.03.2026  08:00 Uhr

Das europäische Forschungsprojekt TransPharm zielt darauf ab, eine nachhaltigere und zugleich wettbewerbsfähige Pharmaindustrie in Europa zu schaffen. Dies soll einerseits die Umwelt schonen und andererseits die europäische Abhängigkeit von Drittstaaten bei der Arzneimittelherstellung verringern. Koordiniert von der Universität Gent in Belgien arbeiten zwölf Partner aus neun Ländern seit Juni 2022 daran, die Herstellung und das Design von Arzneistoffen im Sinne von grüner Pharmazie neu zu denken – gefördert von der EU mit acht Millionen Euro. Offiziell läuft das Projekt noch bis Ende Mai.

Um diese Ziele zu erreichen, verfolgen die Projektpartner mehrere Ansätze. Zum einen soll vorhandenes und neu generiertes Datenmaterial besser genutzt werden, um Wirkstoffe und Syntheserouten »grüner« zu machen. Zum anderen werden Wirkstoffe untersucht, die bereits »sustainable-by-design« sind – also von Anfang an so konzipiert, dass sie wirksam, aber weniger umweltschädlich sind. Dazu gehört auch, Produktionsprozesse effizienter zu machen, indem Syntheseschritte verkürzt, Abfälle reduziert und alternative Technologien wie Elektrochemie integriert werden.

Global ausgerichtete Lernplattform

Für Studierende interessant ist die frei zugängliche Bildungsplattform SPLASH, die im Rahmen des Projekts entstand. Dort werden Inhalte zur Umwelt-Risikoabschätzung, zu grüner und nachhaltiger Chemie und Pharmazie, planetaren Grenzen, Lebenszyklusanalysen, Qualitätskontrolle und zum Einsatz maschinellen Lernens zur Optimierung chemischer Reaktionen vermittelt.

»Nachhaltigkeit beginnt nicht erst bei der Synthese, sondern bei der grundlegenden Frage, warum wir einen Stoff brauchen und welche Funktion er erfüllen soll«, betonte Dr. Klaus Kümmerer, Professor für Nachhaltige Chemie und Stoffliche Ressourcen an der Leuphana Universität in Lüneburg, gegenüber der Mediengruppe Biermann Medizin. »Mit der Plattform machen wir dieses Denken für alle zugänglich, die chemische Innovation im Kontext von Umwelt und Gesellschaft verantwortungsvoll gestalten wollen.«

Da die Bildungswebsite global ausgerichtet ist, ist die Traningssprache Englisch. »Nachhaltige Chemie und Pharmazie können nicht lokal gedacht werden«, betont Kümmerer. »Gerade im globalen Süden entstehen neue Infrastrukturen und Versorgungssysteme. Offene Bildungsangebote sind daher wichtig, um von Anfang an nachhaltige Lösungen entwickeln und problematische Entwicklungspfade vermeiden zu können.«

TransPharm ist Teil einer größeren europäischen Initiative rund um grüne Pharmazie. In derselben Förderlinie wurden weitere Projekte wie SusPharma, ETERNAL, IMPACTIVE und ENVIROMED bewilligt. Das Projekt orientiert sich dabei an acht Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN, darunter Gesundheit, sauberes Wasser, nachhaltige Produktion, Leben unter Wasser und Leben an Land.

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