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KI in der Kardiologie
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Wenn Algorithmen den Puls fühlen

Die künstliche Intelligenz (KI) verändert die Kardiologie derzeit rasant – vor allem in der Diagnostik. Über die Möglichkeiten und Risiken sprach die PZ mit dem Kardiologen Privatdozent Dr. Philipp Breitbart.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 22.10.2025  07:00 Uhr

Viele Smartwatches mit guten Daten

Welche Uhr ist dafür geeignet? Eine Billiguhr sollte es Breitbart zufolge nicht sein. Doch viele Hersteller hätten inzwischen gute Daten für ihre Produkte. Eine vergleichende Untersuchung von fünf verschiedenen Uhren hatte 2023 gezeigt, dass die Geräte Vorhofflimmern alle ähnlich genau detektieren (»JACC: Clinical Electrophysiology«, DOI: 10.1016/j.jacep.2022.09.011). Der Anteil an nicht auswertbaren Sequenzen unterschied sich aber von Produkt zu Produkt, was die diagnostische Genauigkeit herabsetzte.

In einer aktuelleren belgischen Untersuchung vom Januar 2025 wurden Herzrhythmusmessungen mithilfe eines tragbaren Sechs-Kanal-EKG-Geräts, eines Smartwatch-basierten Ein-Kanal-EKGs und zweier PPG-basierter Smartphone-Apps mit einem Zwölf-Kanal-EKG als Goldstandard verglichen (»JMIR Formative Research«, DOI: 10.2196/65139). Das Ergebnis: Die Sensitivität zur Erkennung von Vorhofflimmern betrug bei allen Geräten 100 Prozent. Die Spezifität zur Erkennung des Sinusrhythmus lag zwischen 96,4 Prozent und 98,9 Prozent. Signifikante Leistungsunterschiede gab es keine.

Breitbart sieht die Entwicklung der KI positiv: »Die Künstliche Intelligenz wird die Arbeitsdefinition in der Kardiologie komplett verändern – eventuell in Richtung Pilot, der mit einem Autopiloten arbeitet.« Dabei könnten KI-Tools den Kardiologen einige Aufgaben abnehmen, auch Dokumentationspflichten und das Schreiben von Arztbriefen, sodass mehr Zeit für die Betreuung des Patienten bleibe.

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