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DAV-Portal, gesund.de, etc.

Welchen Nutzwert haben Plattformen für Apotheken?

Wie können Apotheken vor Ort ihre Dienste bestmöglich im Netz sichtbar machen? Ein zentrales Stichwort sind hier die Apotheken-Plattformen. Den aktuellen Stand der Angebote beleuchteten Experten auf der Expopharm Impuls auf dem Podium von »PZ Nachgefragt«.
Ev Tebroke
17.09.2021  12:36 Uhr

Im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist es auch für Apotheken unumgänglich, sich neben der Vor-Ort-Präsenz auch ein digitales Standbein aufzubauen. Es geht darum, die Services und Dienste der Offizin auch online vermitteln zu können und für Patienten im Netz präsent zu sein. Das Schlüsselwort für diese Online-Präsenz lautet Apotheken-Plattformen. Um vor dem Hintergrund des E-Rezepts gegen die Marktmacht von EU-Versendern wie Doc Morris oder Shop Apotheke bestehen zu können, gibt es einige Konzepte, um die Expertise und die Leistungen der Vor-Ort-Apotheken gebündelt online zu bringen.

Bei der Podiumsdiskussion »PZ Nachgefragt« diskutierte PZ-Chefredakteur Benjamin Rohrer mit entsprechenden Vertretern der derzeit maßgeblichen beziehungsweise in Planung befindlichen Plattformformate: Apotheker Steffen Kuhnert, Betreiber des Netzwerks digitale Apotheke, der eine Plattform für pharmazeutische Beratung plant; Apothekeninhaber Stefan Schwenzer, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Bremen, der sich von der Diskussion Aufschluss über die Vor- und Nachteile solcher Plattformen erhoffte; des Weiteren Sören Friedrich, Leiter der IT-Abteilung der ABDA, der über die weitere Entwicklung und Zielsetzung des DAV-Portals berichtete; Jan-Florian Schlapfner, Projektleiter von ihreapotheken.de vom Zukunftspakt Apotheke, der Burda-Noweda-Kooperation sowie Sven Simons, Geschäftsführer der Plattform gesund.de, die aus einer Kooperation von Noventi, Phoenix, dem Wort&Bild-Verlag und anderen Playern hervorgegangen war.

Unterschiedliche Ansätze

Wozu brauchen Apotheker überhaupt eine Plattform-Präsenz? Und was bringen diese Angebote den Patienten und den Vor-Ort-Apotheken? Gemeinsam ist allen auf dem Podium versammelten Anbietern, dass sie die stationären Offizinen durch die Internet-Präsenz stärken wollen. Denn Patienten werden nicht zuletzt im Zuge des E-Rezepts ihre Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung zunehmend digital abwickeln. Wie solche Plattformen am besten aufgebaut sein sollten, dazu gibt es unterschiedliche Ansätze, wie am Donnerstagabend deutlich wurde. Steffen Kuhnert betonte etwa, dass es ihm nicht um den Online-Arzneimittelkauf gehe, sondern er sieht die Chance der Apotheke im Angebot von pharmazeutischen Beratungen im Netz. Diesen Ansatz will er auch mit seiner neu gegründeten Plattform-Idee »Laboration« verfolgen. »Für mich steht der Beratungsansatz im Vordergrund, nicht die Transaktion, sondern der Dialog.«

Für Sven Simons von gesund.de geht es nach eigenen Angaben nicht um eine Verlagerung ins Digitale sondern darum, die bestehenden Strukturen zu ergänzen und zu optimieren, also Mehrwerte für den Patienten/ Kunden zu schaffen. »Wir unterstützen jede Lösung, damit das E-Rezept in einer öffentlichen Apotheke ankommt.«

Auch Jan Florian Schlapfner vom Zukunftspakt Apotheke unterstrich den Hybrid-Ansatz der Plattform. Die Apotheke vor Ort agiere stationär und digital. ABDA-IT-Chef Sören Friedrich betonte allerdings, dass es gewisse »No-Go-Bereiche« der Digitalisierung geben müsse, den Arzneimittel seien eben keine herkömmliche Ware sondern ein »besonderes Gut«. So sollten etwa Medikationsanalysen nicht rein auf dem technischen Weg erfolgen, sondern »das letzte Wort, die intellektuelle Leistung sollte beim Apotheker verbleiben«.

Hilfestellung bei Einordnung

Apotheker und Apothekerinnen sollten sich verschiedene Plattform-Formate anschauen und die Angebote prüfen, riet Apotheker Stefan Schwenzer. Bei der Einordnung der Angebote bedürfe es aber dringend Unterstützung durch die Apothekenverbände, denn gerade Inhabern kleiner Apotheken fehle es oft an Zeit, sich ausgiebig mit dem Thema befassen zu können. »Hier ist Hilfestellung notwendig.« Einen guten Überblick über den derzeitigen Stand der einzelnen Apotheken-Plattformen bekamen die Zuschauer dann auch im Zuge der Diskussion. Alle Anwesenden nutzen die Gelegenheit, ihre jeweiligen Konzepte und Zielsetzungen ausführlich vorzustellen. Dabei ging es auch um die Frage, ob es sich bei den Plattformen um geschlossene Systeme handeln müsse, damit der Patient mit all seinen Anliegen bei einem Anbieter bleibt. Hier betonte etwa Sven Simons von gesund.de den ganzheitlichen Ansatz der Plattform, wo es neben der Arzneimittelversorgung auch ein telemedizinisches Angebot gebe.

Was die unterschiedlichen Finanzierungsansätze solcher Plattformen betrifft, so hob Jan-Florian Schlapfner vom Zukunftspakt hervor, dass die Plattformen stets Apotheker-beherrschte Lösungen bleiben sollten, das sei zentral. Friedrich promotete dabei das DAV-Portal als Ansatz des »Miteinander«. Es gehe darum, gegen die Versender Doc Morris und Co. die Kräfte zu bündeln: Das DAV-Portal als Ansprechpartner und dahinter dann verschiedene Unternehmen mit unterschiedlichen Ansätzen, die sich nachgeschaltet an die Schnittstellen andocken können.

Die aktuelle Lage fasste Kammervorstandsmitglied Schwenzer abschließend treffend zusammen und bediente dabei das Bild der Apotheken-Plattformökonomie als Zug. Wer auf der Lok sitzt, sei derzeit noch nicht klar. »Es wäre schön, wenn das der DAV ist und wir als apothekerliche Organisation den Hut aufhaben.«

 

Das Video dieser Gesprächsrunde sowie viele weitere Beiträge der Expopharm Impuls sind ab dem 20. September bis Mitte Januar unter www.expopharm-impuls.de abrufbar.

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