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Vier erstattungsfähige Verfahren
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Welche Psychotherapie passt zu wem?

Therapie ist nicht gleich Therapie: Unterschiedliche Verfahren helfen auf unterschiedliche Weise – und eignen sich für unterschiedlichen Menschen. Ein Blick auf Abläufe, Methoden und Zielgruppen.
AutorKontaktdpa
Datum 12.01.2026  14:30 Uhr

Analytische Psychotherapie (Psychoanalyse)

Die Analytische Psychotherapie ist laut Egli eine Weiterentwicklung der von Sigmund Freud begründeten Psychoanalyse und damit die älteste Form der Psychotherapie. Heute ist sie allerdings weniger verbreitet. Psychoanalyse mache nur noch etwa 2,5 Prozent der abgerechneten Krankenkassentherapien aus, so Jochim.

Im Zentrum der Psychoanalyse stehen unbewusste Konflikte: innere Spannungen oder ungelöste Erfahrungen, die unser Leben stark prägen können. Probleme werden laut Jochim vor allem durch deren Bearbeitung angegangen, meist über freies Sprechen (freie Assoziation) und die Deutungen der Psychoanalytiker. Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Verfahren besteht darin, dass sich der Therapeut während der Assoziation weitgehend zurücknimmt und die vorschnelle Bedürfnisbefriedigung vermeidet, so Egli.

Besonders wirksam sei die Methode bei tief sitzenden Beziehungsproblemen und wiederkehrenden Mustern, die belastend wirken und psychische Erkrankungen aufrechterhalten, sagt Jochim. Die Sitzungen finden klassisch im Liegen statt, sind aber auch im Sitzen möglich. Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich von anderen Therapieformen: Typischerweise finden zwei bis drei Sitzungen pro Woche statt, die Therapie dauert in der Regel mehr als zwei Jahre und umfasst etwa 160 Sitzungen in der Langzeittherapie, so Egli.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

Weit verbreitet ist die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Sie eignet sich ebenso für alle psychischen Störungen. Besonders wirksam ist sie laut Jochim bei Depressionen, Ängsten, psychosomatischen Beschwerden, aber auch bei Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Der wichtigste Unterschied zur analytischen Psychotherapie liegt Egli zufolge darin, dass die Therapeutinnen und Therapeuten aktiver vorgehen und den Fokus stärker auf Klärung und Einsicht legen. »Eine typische Technik ist, Beziehungsmuster und Konflikte zu verstehen und zu verändern«, erklärt der Psychotherapeut.

Eine Besonderheit dieser Therapie ist, dass aktuelle Probleme auf unbewusste Konflikte aus der Vergangenheit zurückgeführt werden. »Das Ziel ist, den Einfluss dieser Konflikte zu verstehen und sie innerlich aufzulösen«, wie Christina Jochim erläutert. Anders als in der Verhaltenstherapie liegt der Schwerpunkt also weniger auf dem Hier und Jetzt, sondern auf der Aufarbeitung vergangener Konflikte.

Bei den Rahmenbedingungen (Dauer, Häufigkeit der Sitzungen und Kostenübernahme durch die Krankenkassen) unterscheidet sich die tiefenpsychologisch fundierte Therapie kaum von der Verhaltenstherapie.

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