| Lukas Brockfeld |
| 29.01.2026 16:00 Uhr |
Thomas Preis beklagte, dass es in den Praxen aktuell zu viele Bagatellfälle gäbe, die dort nicht hingehören. Hier müsse auch bei den Patienten ein Umdenken stattfinden. Ein positives Beispiel sei Großbritannien, wo die Menschen unter dem Motto »Pharmacy first« dazu angehalten seien, bei leichten Erkrankungen zuerst die Apotheke aufzusuchen. »Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern mehr Gesundheitskompetenz geben und ihnen den Rücken stärken. Eine Eigentherapie ist keine Therapie zweiter Klasse«, betonte der ABDA-Präsident.
Auch Sandra Postel sagte, dass zu viele Gesundheitsfragen ausschließlich von Ärzten beantwortet werden. Viele Kinderärzte würden beispielsweise Stillberatung vornehmen oder sich sogar mit Kindersitzen im Auto befassen. »Wir müssen an die Eigenverantwortung appellieren und brauchen Orte, an denen man ganz niedrigschwellig Rat einholen kann«, sagte Präsidentin der Pflegekammer NRW. Apotheken seien ein solcher Ort. Man könne auch über Gesundheitskioske oder Angebote in Supermärkten nachdenken. Doch jede Profession müsse dabei ihre Grenzen kennen.
»Wir müssen die Bevölkerung dazu befähigen, sich selbst zu vertrauen und darauf, dass es in anderen Gesundheitsberufen auch kompetente Ansprechpartner gibt. Die Arztpraxen werden loslassen können und müssen«, sagte auch Doris Reinhardt. Dafür bräuchte es allerdings verlässliche Ansprechpartner, eine gute Patientensteuerung und eine angemessene Professionalisierung der nicht ärztlichen Berufe.