| Brigitte M. Gensthaler |
| 16.03.2022 16:30 Uhr |
Wanderurlaub ist auch mit Herzschwäche möglich. Allerdings sollten sich die Patienten gut vorbereiten und langsam ihre Aktivität steigern. / Foto: Shutterstock/Patrizia Tilly
Eine Herzinsuffizienz macht sich durch Luftnot und schnelle Erschöpfung bei körperlicher Anstrengung und später auch in Ruhe bemerkbar. Häufig sind auch Herzrasen und Wassereinlagerung. »Unter den Reisenden befinden sich immer mehr Personen mit einer Herzschwäche«, sagte Dr. Ilse Janicke, Leitende Oberärztin am Herzzentrum Duisburg, bei einer Pressekonferenz des Centrums für Reisemedizin (CRM). Die Reisetauglichkeit könne auch bei einer latenten, also noch nicht entdeckten Herzinsuffizienz eingeschränkt sein.
Bei guter Vorplanung könnten aber fast alle Patienten sicher auf Reisen gehen. »Wenn eine Herzinsuffizienz in den letzten vier Wochen vor Reisebeginn stabil ist und sich die Symptome nicht verändert haben, ist Reisetauglichkeit ohne Probleme gegeben. Der Patient sollte in der Ebene 50 bis 100 m ohne Luftnot gehen oder eine Gangway ohne Symptome hochsteigen können«, informierte die Ärztin. Die Sauerstoffsättigung am Boden sollte in Ruhe mindestens 90 Prozent betragen.
Dringend geboten sei ein kardiologischer Check-up vier bis sechs Wochen vor Reisebeginn, um das Risiko einer möglichen kardialen Verschlechterung abschätzen zu lassen. Neben Anamnese, Ruhe-EKG und Sauerstoffsättigung am Boden seien je nach geplanter Aktivität am Urlaubsort weitere Untersuchungen wie Herzultraschall, Fahrradergometrie und Lungenfunktionsprüfung zu empfehlen.
Wer zum Aktivurlaub in die Berge fährt, sollte sich langsam an die sauerstoffarme Bergluft anpassen. »Man sollte sich zunächst drei bis vier Tage akklimatisieren, bevor man seine Aktivität steigert«, sagte Janicke. Dann könne man die Belastung an den Puls anpassen. Bei kurzzeitigen Aufenthalten, zum Beispiel einem Wochenende auf einer Berghütte, sollte man »keine deutliche Aktivitätssteigerung« planen. »Geringe Aktivität ist möglich.«
Kritisch seien mögliche Nebenwirkungen der Herzmedikation. Der Patient sollte seine Medikation gut kennen und auf Flüssigkeitsverluste achten, wenn er Antihypertonika oder Diuretika einnimmt. Die trockene Kabinenluft im Flugzeug, Durchfall oder starkes Schwitzen könnten leicht zur Dehydrierung führen, warnte die Herzspezialistin. Daher sollte der Patient sein Gewicht im kardial kompensierten Zustand kennen. Sinkt dieses, müsse er die Medikation anpassen und/oder mehr trinken.
Da etliche Herzmedikamente, zum Beispiel Hydrochlorothiazid und andere Diuretika, Nifedipin oder ACE-Hemmer, die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen, seien Breitspektrum-Sunblocker mit Lichtschutzfaktor über 30 erforderlich. Zudem sollten Menschen mit Herzinsuffizienz gegen Covid-19, Influenza und Pneumokokken geimpft sein.
Was sollten Herzpatienten auf Reisen mitnehmen? Die Deutsche Herzstiftung biete ein Notfallset mit Checkliste, medizinischem Sprachführer für den Notfall und einen Notfallausweis an, erklärte Janicke. »Mitnehmen sollte der Patienten den letzten Arztbrief, am besten in englischer Sprache, ein EKG, eine aktuelle Medikamentenliste mit Wirkstoffnamen und die doppelte Ration der Medikation – und das alles im Handgepäck.« Schrittmacher- und Defibrillatorträger sollten ein internationales Dokument, zum Beispiel den Schrittmacherausweis, bei sich tragen und bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen vorzeigen.