Das Universitätsklinikum Freiburg hatte Ende September über einen schweren Vergiftungsfall berichtet, bei dem die Einnahme einer Tablette mit Cychlorphin beinahe tödlich geendet sei. Die betroffene Person musste auf der Intensivstation behandelt werden.
Beim Projekt NEWS (National Early Warning System) des Instituts für Therapieforschung (IFT) in München ist die Meldung aus Karlsruhe die erste zu einem Fall, bei dem absichtlich Cychlorphin in einer Gruppe von Personen konsumiert wurde, die teils Erfahrungen mit dem Konsum von Opioiden hatten.
Zudem seien gelbe Tabletten im Umlauf, die unter anderem Cychlorphin enthielten. »Tabletten gleichen Aussehens und gleicher Zusammensetzung stehen im Zusammenhang mit einem Todesfall«, teilte Heiko Bergmann vom IFT mit ohne Details dazu zu nennen.
Der Leiter der Forensischen Toxikologie des Instituts für Rechtsmedizin des Freiburger Uniklinikums, Professor Dr. Volker Auwärter, warnte seinerzeit, Cychlorphin sei ein potentes Opioid. Anders als Benzodiazepine könne es schon in geringen Dosen lebensbedrohliche Zustände auslösen. »Wir sehen diesen Fall als Zeichen einer besorgniserregenden Entwicklung an. In den letzten Jahren gab es in Deutschland eine deutliche Zunahme tödlicher Zwischenfälle durch synthetische Opioide.«
Der Verein Condrobs, der Suchtgefährdeten und -kranken hilft, schreibt, dass synthetische Opioide wie Cychlorphin schon in winzigen Mengen – im Mikrogramm-Bereich – wirken. Sie seien unter anderem auf sechs mal sechs Millimeter großen Papierfilzen, sogenannten Blottern, entdeckt worden. »Schon ein einzelner Blotter kann zu einer lebensbedrohlichen Intoxikation führen.«
Typische Symptome einer Überdosierung sind laut Condrobs verlangsamte oder aussetzende Atmung, Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. »Besonders tückisch: Die Wirkung unterscheidet sich deutlich von LSD, was häufig zu Fehleinschätzungen und verspäteter Hilfeleistung führt.«
Fachleute warnen, dass es über den Verlauf einer Vergiftung aktuell keine gesicherten Daten gebe. Daher sei die Nachbeobachtung besonders wichtig.
Wer ist besonders gefährdet? Condrobs nennt hier zum einen Menschen, die keine Erfahrung mit Opioiden haben und annehmen, LSD zu konsumieren. Eine andere Gruppe Gefährdeter seien Konsumenten von »Blottern«. Denn Geruch, Geschmack und Aussehen liefern demnach keine verlässlichen Hinweise auf den tatsächlichen Wirkstoff.