| Laura Rudolph |
| 18.02.2026 15:40 Uhr |
Jede zweite Person in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Krebs. / © Adobe Stock/freshidea
Dass die Krebsversorgung insbesondere aufgrund der knappen Finanzlage im Gesundheitswesen und des Fachkräftemangels vor großen Herausforderungen steht, aber auch eines der wandlungsreichsten medizinischen Fachgebiete überhaupt ist, machte Kongresspräsidentin Professor Dr. Anke Reinacher-Schick in ihrer Eröffnungsrede deutlich. »Kein Fach entwickelt sich so dynamisch. Und bei kaum einem anderen Fach ist man so nah am Menschen«, so die Ärztin, die seit mehr als 30 Jahren in der Onkologie tätig ist.
Bei der Eröffnungspressekonferenz sprach unter anderem Kongresspräsidentin Professor Dr. Anke Reinacher-Schick. / © PZ/Laura Rudolph
Doch Versorgungslücken bleiben. »Noch immer ist es leider so, dass krebsspezifisches Überleben in einkommensschwachen Gegenden schlechter ist«, berichtete die Expertin. Um die Patientenversorgung zu verbessern, müsse zielgerichteter behandelt werden. Dies schließe neben personalisierten
Therapieansätzen auch einen Ausbau der auf Risikogruppen ausgerichteten Früherkennungsangebote ein. »Für eine zukunftsfähige Onkologie benötigen wir außerdem junge, motivierte Talente«, so die Kongresspräsidentin. Man müsse zudem ein Klinikumfeld schaffen, »das langfristig gesund hält«.
Professor Dr. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), ging auf die finanzielle Schieflage der Gesetzlichen Krankenversicherung ein und wies dabei auf ein Paradoxon hin: Obwohl Deutschland eines der teuersten Gesundheitssysteme in Europa habe, seien die Behandlungsergebnisse in vielen Bereichen unterdurchschnittlich. »Diese beiden Dinge passen einfach nicht zusammen«, so Ghadimi.
»Wir glauben, dass Zentralisierung und Spezialisierung das Gebot der Stunde sind«, betonte der DGK-Präsident und machte deutlich, dass die Krankenhausreform in dieser Hinsicht deutlich nachgeschärft werden müsse. Die aktuelle Reform berge das Risiko, dass Krebspatienten in unzureichend qualifizierten Kliniken behandelt werden, außerdem erlaube das Krankenhausreformanpassungsgesetz den Ländern zu viele Ausnahmen – zulasten der Behandlungsqualität.
Ghadimi fordert, die hohen Qualitätsanforderungen in die Krankenhausreform zu integrieren, die zertifizierte Krebszentren derzeit erfüllen, und eine stärkere Zentralisierung der Krankenhauslandschaft. Das sei für die Versorgungsqualität wichtig und biete zugleich Einsparpotenzial. Außerdem müsse der Forschungsstandort Deutschland gestärkt und mehr klinische Studien ins Land geholt werden.