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Deutscher Krebskongress
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Was die Krebsversorgung braucht

Am heutigen Mittwoch ist der 37. Deutsche Krebskongress unter dem Motto »zusammen – gezielt – zukunftsfähig« im Kongresszentrum CityCube Berlin gestartet. Bei der Eröffnungspressekonferenz wurde deutlich, dass die aktuellen politischen Reformen nicht ausreichen, um die Krebsversorgung zukunftsfest zu gestalten. Benötigt werden neben einer verbesserten Krankenhausreform insbesondere mehr Netzwerke, Prävention und Nachwuchskräfte.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 18.02.2026  15:40 Uhr

Dass die Krebsversorgung insbesondere aufgrund der knappen Finanzlage im Gesundheitswesen und des Fachkräftemangels vor großen Herausforderungen steht, aber auch eines der wandlungsreichsten medizinischen Fachgebiete überhaupt ist, machte Kongresspräsidentin Professor Dr. Anke Reinacher-Schick in ihrer Eröffnungsrede deutlich. »Kein Fach entwickelt sich so dynamisch. Und bei kaum einem anderen Fach ist man so nah am Menschen«, so die Ärztin, die seit mehr als 30 Jahren in der Onkologie tätig ist.

Doch Versorgungslücken bleiben. »Noch immer ist es leider so, dass krebsspezifisches Überleben in einkommensschwachen Gegenden schlechter ist«, berichtete die Expertin. Um die Patientenversorgung zu verbessern, müsse zielgerichteter behandelt werden. Dies schließe neben personalisierten

Therapieansätzen auch einen Ausbau der auf Risikogruppen ausgerichteten Früherkennungsangebote ein. »Für eine zukunftsfähige Onkologie benötigen wir außerdem junge, motivierte Talente«, so die Kongresspräsidentin. Man müsse zudem ein Klinikumfeld schaffen, »das langfristig gesund hält«.

Krankenhausreform stark ausbaufähig

Professor Dr. Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), ging auf die finanzielle Schieflage der Gesetzlichen Krankenversicherung ein und wies dabei auf ein Paradoxon hin: Obwohl Deutschland eines der teuersten Gesundheitssysteme in Europa habe, seien die Behandlungsergebnisse in vielen Bereichen unterdurchschnittlich. »Diese beiden Dinge passen einfach nicht zusammen«, so Ghadimi.

»Wir glauben, dass Zentralisierung und Spezialisierung das Gebot der Stunde sind«, betonte der DGK-Präsident und machte deutlich, dass die Krankenhausreform in dieser Hinsicht deutlich nachgeschärft werden müsse. Die aktuelle Reform berge das Risiko, dass Krebspatienten in unzureichend qualifizierten Kliniken behandelt werden, außerdem erlaube das Krankenhausreformanpassungsgesetz den Ländern zu viele Ausnahmen – zulasten der Behandlungsqualität.

Ghadimi fordert, die hohen Qualitätsanforderungen in die Krankenhausreform zu integrieren, die zertifizierte Krebszentren derzeit erfüllen, und eine stärkere Zentralisierung der Krankenhauslandschaft. Das sei für die Versorgungsqualität wichtig und biete zugleich Einsparpotenzial. Außerdem müsse der Forschungsstandort Deutschland gestärkt und mehr klinische Studien ins Land geholt werden.

Spezialisierte Zentren sind essenziell für die Versorgung

»Solange es politisch gewollt ist, dass die Krebsbehandlung in Deutschland in jedem Krankenhaus möglich ist, werden wir in der Onkologie Qualitätsprobelme haben«, betonte auch Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe. Er riet, dass sich jeder Krebspatientin zunächst in einem Comprehensive Cancer Center (CCC) oder einem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Krebszentrum behandeln lassen soll. 

Außerdem müssten die Versorgungsstrukturen – Spitzenzentren, zertifizierte Krebszentren und niedergelassene onkologische Facharztpraxen – besser miteinander vernetzt werden. Mit den zwei Förderprogrammen »ONCOnnect« und »Modelle für eine optimierte dezentrale onkologische Versorgung« trage die Deutsche Krebshilfe zu einer besseren Verzahnung bei.

Die Versorgung aus Patientensicht 

Tatjana Loose, die 2015 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte, sprach bei der Pressekonferenz aus Patientensicht. Sie rät allen Krebsbetroffenen, sich nicht einfach im nächstgelegenen Klinikum behandeln zu lassen. »Durch Zufall bin ich damals in einem zertifizierten Zentrum behandelt worden. Das war Glück im Unglück, denn so konnte sichergestellt werden, dass alle Behandlerinnen und Behandler tatsächlich eine Fachexpertise bei der Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs haben und eng zusammenarbeiten.«

Auch eine ganz persönliche Einsicht teilte sie: »Das Leben mit oder nach dem Krebs wird ein anderes sein, aber es ist ein Leben. Habt Geduld mit euch.«

Gezielte Therapieformen 

Zum Abschluss stellte Professor Dr. Sascha Dietrich, Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, eine Übersicht über verschiedene Immuntherapien bei Krebs vor, darunter bispezifische Antikörper, CAR-T-Zell-Therapien und therapeutische Krebsimpfungen.

Viel Aufmerksamkeit erhielten derzeit therapeutische mRNA-Impfstoffe. »Erste Erfolge gibt es bereits, zum Beispiel beim schwarzen Hautkrebs«, so Dietrich. Auch für das Pankreaskarzinom werde intensiv daran geforscht, passende Impfstoffe zu entwickeln.

Für viele Krebsarten reiche eine Krebsimpfung allein bisher jedoch noch nicht aus. »Die Reise geht jedoch dahin, dass wir unterschiedliche immuntherapeutische Ansätze miteinander kombinieren, um die volle Power des Immunsystems auszunutzen.«

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