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20 Jahre Humangenomprojekt
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Was die Gene uns – noch nicht – verraten

Vor 20 Jahren war eines der größten internationalen Forschungsprojekte am Ziel: das Humangenomprojekt. Mit der nahezu vollständigen Sequenzierung des menschlichen Genoms wurde eine neue Ära der Biomedizin eingeläutet.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 22.02.2021  08:30 Uhr

Diversität? Fehlanzeige!

Der enorme technische Fortschritt hat dazu geführt, dass die Entschlüsselung ganzer Genome heute schon lange keine »Science«- oder »Nature«-Titelgeschichte mehr wert ist, sondern eine Routineangelegenheit. Davon profitiert jedoch nur ein sehr geringer Anteil der Menschheit, wie gleich mehrere Autorengruppen in dem Artikel bemängeln. Die moderne Genomforschung sei sozusagen auf mehreren Augen blind, denn entschlüsselt seien fast ausschließlich das Erbgut von Menschen mit europäischen Vorfahren.

Dr. Charles N. Rotimi, Dr. Shawneequa L. Callier und Dr. Amy R. Bentley vom National Human Genome Research Institute in Bethesda erinnern daran, dass die genetische Differenz zwischen zwei Menschen lediglich 0,1 Prozent betrage. Dies seien aber immerhin etwa 3 Millionen Basenpaare, an denen die individuellen Genome sich unterscheiden könnten, und diese Unterschiede seien nicht zufällig.

Insbesondere die Vernachlässigung von Menschen mit afrikanischen Wurzeln sei sträflich, denn in Afrika sei die genetische Vielfalt ausgesprochen hoch. Betrachte man etwa die Genome von zwei Menschen aus Afrika südlich der Sahara, sei es wahrscheinlich, dass diese sich stärker voneinander unterschieden als von den Genomen eines Europäers oder Asiaten. Mehr denn je müsse heute klar sein, »dass Rasse ein soziales Konstrukt ist und keine natürliche Trennlinie, die in unseren Genen geschrieben steht«, schreibt Professor Dr. Dorothy E. Roberts von der University of Pennsylvania in Philadelphia.

Gene und Arzneimittel

Was das für die Arzneimittelforschung bedeutet, führt Professor Dr. Namandjé N. Bumpus von der Johns Hopkins University in Baltimore in einem weiteren Artikel in »Science« aus (DOI: 10.1126/science.abe2565). Auch in der klinischen Forschung seien Menschen mit außereuropäischen Wurzeln stark unterrepräsentiert, was mit Blick auf die Arzneistoffwirkung zu teilweise erheblichen Wissenslücken führe.

So hätten etwa die meisten Menschen mit europäischen Vorfahren im Gegensatz zu den meisten Nachkommen von Afrikanern aufgrund einer genetischen Variation kein funktionierendes Cytochrom-P-450-Isoenzym CYP3A5. Relevant sei dies etwa dann, wenn Tacrolimus gegeben werde: Menschen mit funktionierendem CYP3A5 bauten das Immunsuppressivum schneller ab, was zu subtherapeutischen Wirkspiegeln führe.

Bumpus lässt weitere Beispiele folgen: häufigere Blutungen unter Warfarin, ein höheres Risiko für Angioödeme unter ACE-Hemmern und die Gefahr einer hämolytischen Anämie unter dem Malariamittel Chloroquin bei afrikanischstämmigen Menschen. Um die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Arzneistoffen besser vorhersagen zu können, müsse daher eine größere genetische Vielfalt der Teilnehmer von klinischen Studien gewährleistet sein.

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