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Geduld oder Arzneimittel?
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Was bei anhaltendem Husten nach Infektion zu tun ist

Viele kennen das: Der akute Atemwegsinfekt ist weg, aber der Husten hält sich über Wochen hartnäckig. Wie postinfektiöser Husten zu behandeln ist und welche Symptome man ärztlich abklären lassen sollte, zeigt eine aktuelle Publikation aus Kanada.
AutorKontaktWiebke Gaaz
Datum 12.02.2024  18:00 Uhr

Es kommt häufig vor, dass beunruhigte Menschen die Apotheke aufsuchen, weil sie ein Husten plagt, der sich einfach nicht bessern will. Berichten sie, dass sie einen Atemwegsinfekt durchgemacht haben, der aber schon seit einigen Wochen auskuriert ist, handelt es sich um einen postinfektiösen Husten. Dazu kommt es häufig, wenn die Infektion eine Entzündungskaskade triggert, die die Empfindlichkeit der Schleimhäute auf Umweltreize erhöht. Fast jeder Vierte ist nach einer Atemwegsinfektion davon betroffen.

Eine Gruppe Mediziner um Dr. Kevin Liang von der University of British Columbia in Vancouver gibt aktuell im »Canadian Medical Association Journal« Tipps zur Einordnung und zum Umgang mit diesem Symptom. Demnach handelt es sich beim postinfektiösen Husten um eine Ausschlussdiagnose. Hinweise auf andere Erkrankungen, die Husten auslösen können, wie Asthma, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder eine Refluxerkrankung, dürfen also nicht vorliegen. Ebenso muss ein Husten, der länger als acht Wochen andauert, mit weitergehender Diagnostik untersucht werden. Weitere »Red Flags«, die eine ärztliche Abklärung erfordern, seien ein Bluthusten, Atemnot, Brustschmerzen, langjähriges Rauchen oder Heiserkeit.

Es sei wichtig, den Patienten zu erklären, dass ein postinfektiöser Husten selbstlimitierend ist und von selbst ausheilt, schreibt die Gruppe. Systematische Übersichtsarbeiten hätten gezeigt, dass es für den Nutzen von inhalativen Corticosteroiden, Bronchodilatatoren oder Antibiotika keine Evidenz gibt; diese Therapien gehen aber mit unerwünschten Effekten und Kosten einher. Ein ungerechtfertigter Gebrauch erhöht im Gegenteil die Rate an unerwünschten Wirkungen und belastet zudem die Lieferketten. Inhalatoren stünden dann im Zweifel nicht den Patienten zur Verfügung, die sie tatsächlich benötigen. Die meisten Studien fanden, dass sich das Symptom »Husten« ohne zusätzliche Medikation bessert. Sinnvoll ist aber eine kontinuierliche gute Befeuchtung der irritierten Schleimhäute durch Lutschtabletten.

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