| Daniela Hüttemann |
| 15.01.2026 10:00 Uhr |
Christian Riethmüller studierte European Business Management und arbeitete einige Jahre als Bereichsleiter bei Aldi Süd, bevor er 2002 in die Geschäftsführung des familieneigenen Buchhandels Osiander einstieg – damals mit gerade einmal fünf Filialen. Heute sind es 63. / © Arndt Bär
Versandhandelskonkurrenz, Preisbindung, Lieferengpässe – zwischen Apotheken und Buchhandel gibt es einige Parallelen. Wie sich das familiengeführte Traditionsunternehmen Osiander immer wieder wandelt und erfolgreich im Einzelhandel behauptet, auch wenn scheinbar alles digital wird, berichtet Mitinhaber und Geschäftsführer Christian Riethmüller.
Wie konnte die 1596 gegründete Buchhandlung aus Tübingen mit ihren 63 Filialen innerhalb von nur zwei Jahrzehnten zur drittgrößten Buchhandelskette in Deutschland aufsteigen?
Auch auf die strategische Partnerschaft mit Thalia, einen Hackerangriff, Trendwenden wie #BookTok sowie die Auswahl und Präsentation von weiteren Sortimenten wie Spielwaren wird Riethmüller in seiner Keynote eingehen, und er freut sich auf den Austausch mit den Apothekeninhabenden.
PZ: Erst kamen die Versandhändler, dann die E-Reader. Lohnt sich lokaler Buchhandel noch?
Christian Riethmüller: Ja, wenn man es richtig macht, mehr denn je. Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren die wirtschaftlich besten unserer Firmengeschichte. Dafür haben wir unser Unternehmen nach Corona allerdings komplett neu aufgestellt: 20 Millionen Euro investiert in 17 Ladenschließungen, acht neue Läden, 16 Umzüge innerhalb der Stadt in bessere Lagen und 18 komplette Umbauten. Dazu die Partnerschaft mit Thalia in den Bereichen IT-Plattform, Webshop, Einkauf und Logistik, neue Sortimente wie Spielwaren und ein starker neuer Fokus auf die Jugend.
PZ: Wie haben Sie Ihr Unternehmen in den vergangenen Jahren erfolgreich auf Expansionskurs gebracht?

© Avoxa
Unter diesem Motto findet unser PZ-Management-Kongress vom 25. bis 27. März 2026 in Palma de Mallorca statt. Treffen Sie dort Christian Riethmüller sowie weitere inspirierende Referentinnen und Referenten und diskutieren Sie mit uns über neue Möglichkeiten für die Apotheken. Buchen Sie jetzt Ihr Ticket unter www.pz-kongress.de!
Christian Riethmüller: Wir sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger expandiert als in den Jahren davor und haben seit Corona mehr Läden geschlossen, als eröffnet. Es kommt nicht primär auf externes Wachstum an, sondern auf internes, das heißt, bestehende Standorte stärken und entwickeln. Das vergisst man oft. Und die Partnerschaft mit Europas größtem Buchhändler Thalia ist die Grundlage für Wirtschaftlichkeit, Effizienz, technische Weiterentwicklung und Digitalisierung – wäre aber vor zehn Jahren mit meiner Familie nicht zu machen gewesen. Mit so einem Partner kann man viel besser wachsen.
PZ: Apotheken und Buchhandlungen haben einige Parallelen wie die Preisbindung, ein relativ einheitliches Sortiment und Online-Konkurrenz. Was können Apotheken von Ihnen lernen?
Christian Riethmüller: Dass man sich verändern muss, um erfolgreich zu bleiben – und investieren. Wir präsentieren Ware, vor allem andere Sortimente, heute ganz anders als vor zehn Jahren. Dass neue Sortimente den Umsatzverlust im Kernsortiment mehr als ausgleichen können. Dass Click and Collect von den Kunden gewünscht wird. Und dass man Kosten, auch wenn sie steigen, trotzdem in Summe stabil halten muss und kann, weil sonst die Schere zu weit auseinandergeht. Und dass es nichts bringt, über Amazon oder Günther Jauch zu schimpfen – damit rückt man die nur in den Vordergrund. Es ist wichtig, sich selbst auf seine Stärken zu besinnen und immer besser zu werden, anstatt zu lamentieren.
PZ: Vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns, vom 25. bis 27. März beim PZ-Management-Kongress mehr darüber zu erfahren!