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Empathie
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Warum Ärzte mehr Herz zeigen sollten

Einfühlsame Heilberufler machen Patienten zufriedener. Empathie steigert nicht nur die Therapietreue, sondern kann auch Leben retten. Doch warum nimmt sie im Medizinstudium ab und wie kann sie in den Praxisalltag zurückkehren?
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 24.03.2025  07:00 Uhr

Treue zahlt sich aus

Aber auch evidenzbasiertes Training empathischer Kommunikation, die verbale und nonverbale Verhaltensanpassungen erfordert, hält er für unerlässlich. Insbesondere sollten auch erfahrene Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise Dozentinnen und Dozenten auf eine feinfühlige Sprache achten. Denn Howick zufolge ist bekannt, dass Vorbilder einen starken Einfluss auf das Verhalten von Medizinstudierenden haben.

Wichtig für den Behandlungserfolg erscheint neben der Empathie auch Kontinuität in der Versorgung. Jedes Mal denselben Hausarzt aufzusuchen, hat entscheidende Vorteile, wie James Goodwin, Professor für Physiologie des Alterns an der Universität Loughborough, auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation« schreibt. Bei einer weltweiten Untersuchung mit 1,4 Millionen Patientinnen und Patienten hätte sich nämlich gezeigt, dass diejenigen, die nicht regelmäßig denselben Arzt aufsuchten, ein höheres Sterberisiko hätten. Stärker gefährdet sind sie demnach auch, im Krankenhaus oder in der Notaufnahme zu landen.

Die Vorteile einer konstanten medizinischen Betreuung lassen sich Goodwin zufolge gleichermaßen bei allen Patientengruppen beobachten und für viele der üblichen Erkrankungen wie Demenz oder Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychische Erkrankungen belegen.

Natürlich profitieren die Ärztinnen und Ärzte zunächst vom Wissen um die Vorgeschichte und Entwicklung der Patientinnen und Patienten, was ihnen bei späteren Konsultationen hilft. Doch eine bessere Arzt-Patient-Beziehung optimiert nicht nur Beratung und Behandlung, sondern senkt auch die Kosten für die Gesundheitssysteme. Trotz allem nimmt die Treue zum Arzt in unserer Gesellschaft eher ab als zu, wie der Altersforscher betonte.

Falsche Prioritäten

Gründe dafür sieht Goodwin darin, dass Ärzte genauso wie Patienten immer mobiler werden und die hausärztliche Einzelpraxis zum Auslaufmodell wird. Mediziner arbeiteten zunehmend in Gemeinschaftspraxen, und Bereitschaftsdienste würden in großem Maßstab organisiert. Gleichzeitig steige die Anzahl der Menschen, die unter einer oder mehreren chronischen Erkrankungen leiden. Doch das Hauptproblem sieht der Wissenschaftler vor allem darin, dass die Prioritäten falsch sind: Der Zugang zur ärztlichen Praxis hat generell Vorrang vor der Behandlungskontinuität.

Dem Trend lässt sich in seinen Augen simpel entgegenwirken. Zum Beispiel über eine Patientenliste. Darauf vermerkt sind alle, die sich lediglich von nur einem Hausarzt behandeln lassen möchten. Die Kontinuität in der Versorgung sei ebenfalls für die Medikation förderlich, Stichwort: Deprescribing, sprich dem Absetzen von unnötigen Medikamenten, die nicht mehr von Nutzen sind, zu häufig oder falsch eingenommen werden oder sogar Schaden anrichten. Da Polypharmazie in den vergangenen drei Jahrzehnten um mindestens 30 Prozent zugenommen habe, müssten Lösungen zur Kostensenkung her. Statt der Einführung immer neuer teurer Technologien liegt für ihn die Antwort in der Kontinuität der Versorgung.

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