Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Bei komplexer Anwendung
-
Warnung vor falschen Dosierangaben im Medikationsplan

Beim Einlesen des bundeseinheitlichen Medikationsplans in das Praxisverwaltungssystem kann es zu einer fehlerhaften Übertragung der Dosierangaben kommen, warnt aktuell die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ihre Mitglieder und gibt Hinweise, was Ärzte beachten müssen. Apotheker sollten Dosierangaben bei Arzneimitteln mit nicht täglicher Dosierung im Medikationsplan am besten überprüfen und den Patienten noch einmal darauf hinweisen.
AutorKontaktPZ
Datum 10.02.2025  12:18 Uhr

Es gibt einige Medikamente, die müssen nur einmal wöchentlich angewendet werden oder die Therapie erfolgt in Intervallen mit Therapiepausen. Hierbei kommt es immer wieder zu Missverständnissen bei den Patienten, was manchmal auch einer fehlerhaften Darstellung im Medikationsplan geschuldet sein kann. Das Problem ist seit Langem bekannt, jedoch offensichtlich immer noch nicht flächendeckend gelöst.

Das klassische Schema im elektronischen und bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) sieht die tägliche Einnahme vor. »Beim Einlesen von QR-Codes aus dem BMP wird die korrekte, einmal wöchentliche Dosierung von MTX in einigen Systemen fälschlicherweise als täglich zu verabreichen angezeigt«, meldete Ende Januar  die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie. Die Fachgesellschaft geht anhand vorliegender Berichte von mindestens einem Todesfall aus, bei dem dieser Fehler eine Rolle gespielt haben dürfte.

»Für Arzneimittel, die nicht täglich einzunehmen sind, sollten die Dosierangaben im Medikationsplan nicht im Vierer-Schema »morgens – mittags – abends – zur Nacht« erfolgen«, hält nun auch noch einmal die Kassenärztliche Vereinigung (KBV) in ihren Praxisnachrichten an ihre Mitglieder fest. Die Kombination aus solchen strukturierten Angaben und einem einschränkenden Hinweis wie »montags« habe bereits zu Lesefehlern geführt. Stattdessen sollten Ärztinnen und Ärzte die vollständige Dosierinformation zentral an nur einer Stelle dokumentieren, rät die KBV. 

Methotrexat wird je nach Indikation einmal wöchentlich bei Autoimmunerkrankungen oder bis zu täglich im onkologischen Bereich angewendet. Aufgrund der geringen therapeutischen Breite kann hier ein Missverständnis bereits nach wenigen Tagen versehentlicher täglicher Anwendung zu schweren Nebenwirkungen führen. Hierzu gab es zuletzt 2019 einen Rote-Hand-Brief.

Im akuten Vorfall sei bei der Aufnahme eines Patienten in ein Krankenhaus beim Einlesen des BMP in das Krankenhausinformationssystem die wöchentliche in eine tägliche Dosierung umgewandelt worden. In diesem Fall war im Dosierfeld 1-0-0-0 angegeben und im Hinweisfeld der Wochentag vermerkt. Jedoch wurde das Hinweisfeld nicht übertragen.

Jede Methotrexat-Verordnung überprüfen

Bis auf Weiteres empfiehlt die DGRh allen Ärztinnen und Ärzten und dem medizinischen Fachpersonal:

  • Die Funktionalität der verwendeten Klinik- oder Praxissoftware sowie die Übertragungsgenauigkeit von Medikationsplänen sorgfältig zu überprüfen.
  • Bei der Verordnung von Methotrexat die Dosierungsangaben bis auf Weiteres stets manuell zu kontrollieren.
  • Festgestellte Fehler umgehend an das zuständige Softwareunternehmen, das für das Krankenhaus- oder Praxis-Informationssystem (KIS/PVS) verantwortlich ist, zu melden.
  • Patientinnen und Patienten aktiv über das Problem zu informieren und sie auf die Dringlichkeit der korrekten Dosierung von Methotrexat (einmal wöchentlich) hinzuweisen.

Apothekerinnen und Apotheker werden hier zwar nicht ausdrücklich adressiert, doch empfiehlt es sich, wenn ein Patient einen Medikationsplan vorliegt, diesen auf die korrekte Darstellung der Dosierung zu überprüfen und den Patienten explizit noch einmal auf das korrekte Anwendungsschema hinzuweisen.

Mehr von Avoxa