Die Deutsche Stiftung Patientenschutz zweifelt an Warkens »Erst-Hausarzt-Pflicht«. / © Adobe Stock/Gina Sanders
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz dringt auf Verbesserungen bei der Versorgung in Praxen. Es sei absurd, dass sich viele Fachärztinnen und -ärzte mittlerweile davon verabschiedet hätten, Befunde und Therapieempfehlungen direkt mit den Betroffenen zu besprechen, sagte Vorstand Eugen Brysch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Patientinnen und Patienten seien so gezwungen, danach die Hausärztin oder Hausarzt zu konsultieren, die zu »Erklärbären« mutieren.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) müsse das fachärztliche Personal verpflichten, Befunde auch zu erläutern. Brysch forderte außerdem, Ungleichgewichte zwischen Stadt und Land bei der Verteilung von Praxisstandorten anzugehen. Er sprach sich für die Abschaffung von Vermittlungsvergütungen für hausärztliches Personal aus, wenn sie direkt Termine bei Fachärztinnen und -ärzten vereinbaren. »Was als gut gemeinte Ausnahmeregelung eingeführt wurde, ist zu einer sprudelnden Einnahmequelle ohne Mehrwert geworden«, so Brysch.
Der Patientenschützer warnte vor hohen Erwartungen an die von Warken geplante stärkere Steuerung von fachärztlichen Terminen über Hausärztinnen und Hausärzte. Diese »Erst-Hausarzt-Pflicht« solle zum Allheilmittel für alle Probleme der ambulant-ärztlichen Versorgung werden, sagte Brysch. Völlig ungeklärt sei aber unter anderem, wie zusätzliche Patientinnen und Patienten hausärztlich betreut werden könnten. »Schließlich gehen in den nächsten Jahren mehr Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand oder wollen ihre Arbeitszeit reduzieren«, so Brysch.
Union und SPD wollen ein verbindliches System einführen, bei dem Betroffene primär in eine hausärztliche Praxis gehen, die sie bei Bedarf – mit Termin in einem bestimmten Zeitraum – an Fachärztinnen und Fachärzte überweist. Brysch bezweifelt, dass eine solche »Termingarantie« tatsächlich greift. »Die schwarz-rote Koalition läuft Gefahr, mit der Zwangsregelung ein ähnliches politisches Fiasko zu erleben wie die gescheiterte Ampelregierung mit ihrem Heizungsgesetz«, vergleicht Brysch.