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»Task Force Datennutzung«
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Viele ungenutzte Möglichkeiten von Gesundheitsdaten

Gesundheitsdaten bergen großes Potenzial für eine bessere Versorgung, sind bisher aber nicht weit genug erschlossen, heißt es in einer Publikation vom Bundesverband Managed Care (BMC). Warum künstliche Intelligenz (KI) dabei eine Schlüsselrolle spielt.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 26.01.2026  13:30 Uhr

KI-gestützte Ersteinschätzung und datenbasierte Versorgungssteuerung

Ein weiterer Use Case untersuchte das Thema KI-gestützte Ersteinschätzung und datenbasierte Versorgungssteuerung. »Die Praxis hat gezeigt, dass es funktioniert«, heißt es im BMC-Bericht. Für eine flächendeckende Umsetzung brauche es jedoch politische Rahmenbedingungen. Es müssten zunächst Delegationsmöglichkeiten gestärkt werden: Eine Delegation an nichtärztliches Personal sei rechtlich und vergütungstechnisch eingeschränkt, dabei könnten Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für komplexe Fälle erhalten, nichtärztliches Personal am oberen Ende der Qualifikation arbeiten und Patientinnen und Patienten von schnelleren Terminen profitieren. 

Zudem dürfe KI weniger mit Regulatorik gebremst werden: AI Act und MDR würden hohe, teilweise unklare Anforderungen an medizinische KI-Systeme und Datenintegrationen stellen. Mehr Innovation, schnellere Verfügbarkeit und niedrigere Kosten wären laut des Berichts möglich. Es brauche Verhältnismäßigkeit bei Anforderungen und praktikable Zulassungspfade für GenAI-basierte Systeme sowie die Integration von Drittdaten, auch aus Consume rDevices/Wearables, rechtssicher ermöglichen.

Viele ungenutzte Möglichkeiten in Gesundheitsdaten

Laut Lutz Hager und Pia Maier stecken noch viele ungenutzte Möglichkeiten in Gesundheitsdaten, unter anderem ein »neues Verständnis von Zusammenhängen zwischen messbaren Werten und Gesundheitszuständen, die neue Handlungsoptionen öffnen, neue Arzneimittel und Medizinprodukte, die mit Unterstützung von Software entwickelt und verbessert werden, tiefere und schnellere Einblicke in die persönliche Anamnese, wenn die erfassten Daten zur Verfügung stehen und wesentliche Informationen daraus gefiltert und aufbereitet werden«.

Künstliche Intelligenz könne Muster in großen Datenmengen erkennen und die Daten im Hintergrund aufbereiten und verfügbar machen, sodass aus vorhandenen Daten neues Wissen werde. Große Datenmengen würden erst mit solchen Tools ein wertvoller Stoff: Aufbereitete Daten bereiteten Einsichten vor, die in der Versorgung eine echte Hilfe seien, Zeit sparen und Erkenntnis fördern könnten.

Damit Gesundheitsdaten ihre Potenziale in der Behandlung, Forschung und Entwicklung entfalten können, brauche es die richtigen Bedingungen, erklärten die Wissenschaftler: »Die Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheitssystems schränken den Einsatz von Gesundheitsdaten zu sehr ein und setzen zu wenige Anreize für die Entwicklung entsprechender Produkte.«

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