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Briefe an EU-Kommission
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Versenderkritik könnte Apothekenreform verzögern

Die schärferen Kontrollen für Versender hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf der Agenda und lässt die entsprechende Verordnung aktuell in Brüssel prüfen. Versenderverbände sind alarmiert und zweifeln die EU-Rechtskonformität der Pläne an. Auch DHL schaltet sich ein. Wenn die Kritik verfängt, kann sich das Verfahren um mehrere Monate verzögern.
AutorCornelia Dölger
Datum 10.04.2026  10:20 Uhr

Um gleiche Bedingungen – »gleichlange Spieße« – für lokale wie Versandapotheken herzustellen, braucht es einheitliche Vorschriften sowie die Sicherheit, dass diese zuverlässig eingehalten werden. Darüber, dass EU-Versender dies eher nicht tun, fehlt es inzwischen nicht mehr an Erkenntnis; die Bundesregierung will also nachsteuern und plant mit der anstehenden Apothekenreform schärfere Vorgaben für die Versender.

Im Blick hat man die Logistiker. Konkret sollen etwa die Paketdienstleister dazu verpflichtet werden, die Versandbedingungen einschließlich Transport- und Lagerungstemperaturen einzuhalten. Redcare-Chef Olaf Heinrich sieht in den Plänen einen »Systembruch« und ein »Versandverbot durch die Hintertür«. Er will den Dienstleistern eine solche Rolle nicht zuschreiben und geht davon aus, dass erweiterte Kontrollen in dieser Form nicht durchgesetzt werden. 

Dieses Ziel haben auch andere im Blick, nämlich die Verbände der Versandapotheken, die Logistiker sowie Cannabishersteller. Dafür haben sie sich direkt an die EU-Kommission gewandt, wo die Verordnung, in der die Verschärfungen geregelt sind, seit Mitte Januar zur Notifizierung liegt. Änderungen am Entwurf sind während der sogenannten Stillhaltefrist nicht möglich. Weil sie den grenzüberschreitenden Versandhandel betreffen, können EU-Kommission und die Mitgliedstaaten die Pläne prüfen und darauf reagieren. Auch Stakeholder können sich zu Wort melden – und haben dies schriftlich getan.

So unterstreicht die European Association of E-Pharmacies (EAEP), der Redcare-Chef Heinrich sowie Doc-Morris-CEO Walter Hess vorstehen, dass die Verschärfungen gegen die EU-Regeln zum freien Warenverkehr  und Dienstleistungsverkehr verstießen. Beschränkungen dieser Freiheiten seien hier nicht gerechtfertigt, weil keine Nachweise erbracht würden, dass damit der Gesundheitsschutz gesichert würde.

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