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Darmerkrankungen
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Untersuchung belegt Nutzen pharmazeutischer Expertise

Eine pharmazeutische Beratung durch Apotheker kann das Auftreten und den Schweregrad von therapiebedingten unerwünschten Wirkungen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) deutlich verringern. Beim ADKA-Jahreskongress in Berlin wurde eine Arbeit dazu vorgestellt – und prämiert.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 09.05.2025  15:30 Uhr

Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) verleiht jährlich den »ADKA-Promotionspreis für Krankenhauspharmazie« an eine Apothekerin oder einen Apotheker, die in einer Krankenhausapotheke ihre Dissertation angefertigt haben. In diesem Jahr ging der Preis an Dr. Johannes Plechschmidt von der Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen.

Der Fachapotheker für Klinische Pharmazie ging der Frage nach, ob durch ein klinisch-pharmazeutisch optimiertes Nebenwirkungsmanagement die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und patientenrelevante Endpunkte bei CED-Patienten unter Therapie mit einem TNF-alpha-Antikörper wie Infliximab und Adalimumab positiv beeinflusst werden können. Die Arbeit des Teams um Erstautor Plechschmidt ist in »Inflammatory Bowel Diseases« publiziert worden.  

»Die Prävalenz von CED-Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nimmt zu«, informierte Plechschmidt anlässlich der Preisvergabe. Er betonte, dass Biologika in der Behandlungslandschaft von CED mittlerweile einen festen Platz eingenommen haben. Zugenommen hätten damit aber auch Meldungen über Nebenwirkungen, teilweise auch schwerwiegender Art. »Circa 10 Prozent der Patienten brechen eine Infliximab-Therapie wegen Nebenwirkungen ab«, gab der Apotheker ein Beispiel.

In die AdPhaNCED-Studie wurden CED-Patienten unter laufender Anti-TNF-alpha-Behandlung aufgenommen und nach dem Zufallsprinzip entweder einer konventionellen Standardbehandlung (Kontrollgruppe) oder einer zusätzlichen Beratung durch klinische Apotheker (Interventionsgruppe)  zugeteilt. Der primäre Endpunkt bestand aus der Anzahl und dem Schweregrad von Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Anti-TNF-Therapie nach zwölfmonatiger Studienlaufzeit. 

Die Studiendaten von mehr als 100 Patienten flossen in die Auswertung ein. Diese zeigt, dass Nebenwirkungen durch die Antikörpertherapie  in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe nach zwölf Monaten signifikant seltener waren (0,20 versus 0,3 Nebenwirkungsmeldungen/ Patient/Monat). Wie Plechschmidt informierte, war ferner das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen vom Schweregrad  ≥ 2 in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der Interventionsgruppe. Hinzu kam laut dem Referenten auch eine signifikant häufigere komplette Ausheilung einer Nebenwirkung in der Gruppe mit der pharmazeutischen Beratung. 

Das Fazit des Preisträgers: Eine intensive Beratung durch pharmazeutisches Personal kann das Auftreten und den Schweregrad von therapiebedingten unerwünschten Wirkungen deutlich verringern und  auch die Patientenzufriedenheit verbessern. »Klinische Pharmazeuten sollten daher integraler Bestandteil eines interdisziplinären Behandlungsteams bei  CED sein.«

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