| Christina Hohmann-Jeddi |
| 16.03.2026 16:20 Uhr |
Keine Palmen am Strand, aber tropische Erreger im Wasser: An der Ostsee besteht in den Sommermonaten ein Risiko, sich mit Vibrio vulnificus zu infizieren. / © Adobe Stock/Sina Ettmer
Bedingt durch den Klimawandel nimmt die Zahl der Extremwetterereignisse wie Starkregen und die Zahl der Hitzetage seit Jahrzehnten zu. Über die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die menschliche Gesundheit berichtete Dr. Sebastian Wendt vom Universitätsklinikum Halle/Saale, Vorstand der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR), beim Pharmazeutischen Fortbildungstag im Rahmen des Sächsischen Apothekertags vergangenes Wochenende in Chemnitz. »Insgesamt kann man die Hälfte der menschlichen Erkrankungen mit dem Klimawandel in Verbindung bringen.«
So wirke sich der Klimawandel zum Beispiel durch direkten Hitzestress, aber auch durch Ausbreitung von Allergenen (Pollen), Verbreitung von Vektoren von Infektionskrankheiten wie Zecken und Mücken und auch durch Verbreitung von wasserbürtigen Infektionen aus.
Nach Überschwemmungen steigen etwa Risiken für bestimmte Infektionen. Nach der Ahrtal-Überschwemmung 2021 habe man das Wasser auf Erreger wie Leptospiren überwacht und die Helfenden auf einen Impfschutz gegen Hepatitis A hin überprüft.
Leptospirose ist eine Tropenkrankheit, die zunehmend in Deutschland zu finden ist und mit Wasser und Wassersport zusammenhängt. Die Erreger, schraubenförmige Stäbchen-Bakterien, gelangen über den Kot von infizierten Nagern, die das Hauptreservoir des Erregers darstellen, in Wasseransammlungen etwa in Kanälen. Der Mensch kann sich durch den Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder dem Urin erkrankter Tiere, zum Beispiel von Hunden oder Katzen, anstecken.
Meist gelangen die Bakterien über kleine Wunden in den menschlichen Organismus. Die Erkrankung äußert sich entweder mit grippeähnlichen Beschwerden, kann aber auch zu Gelbsucht (Ikterus), Nierenversagen oder Meningitis führen, berichtete Wendt. Viele Verläufe sind mild, die Infektion kann aber auch tödlich enden.
Beim Baden in der Ostsee kann man auf einen weiteren tropischen Erreger stoßen: Vibrio vulnificus, das manchmal als »fleischfressendes Bakterium« bezeichnet wird. Der Erreger kann sich an den Stränden im flachen, warmen Wasser gut vermehren, weshalb gerade in den Monaten August und September Infektionen von der Ostsee gemeldet werden. Über den aktuellen Stand der Infektionsgefahr informiert die Europäische Seuchenschutzbehörde ECDC in einer Vibrionen-Karte.
Wenn die Erreger über kleine Hautwunden in den Körper gelangen, kann die Erkrankung relativ schnell fortschreiten, sodass nach ein, zwei Tagen schon Amputationen notwendig werden können, weil der Erreger das Gewebe auflöst, berichtete Wendt. »In der Ostsee baden zu gehen, ist für Diabetiker mit offenen Beinen oder Immunsupprimierte keine gute Idee – zumindest nicht in den Sommermonaten.«