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Apothekenführung
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Tradition und Moderne sind kein Gegensatz

»Wir sind offen für neue Technologien, schätzen aber auch die Erfahrung«, beschreibt Franziska Scharpf die Philosophie ihrer Apotheke, die sie gemeinsam mit Bruder und Vater betreibt. Das Team bildet sich regelmäßig im In- und Ausland fort, um neue Ideen umzusetzen, sowohl im pharmazeutischen wie auch betriebswirtschaftlichen Bereich.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 25.03.2024  17:00 Uhr

Franziska Scharpf und ihr Bruder Christian Scharpf studierten Pharmazie in London, bevor sie 2016 in die väterliche Apotheke in Sonthofen einstiegen und sie seitdem zu dritt als OHG führen. Die Führungsaufgaben teilen sie sich und werden dabei von vielen weiteren Familienmitgliedern und den anderen Mitarbeitenden unterstützt. »Bei uns gilt: Ein Scharpf ist immer da und ansprechbar, sowohl für die Kunden als auch für die Mitarbeitenden«, erklärte die zweite Vizepräsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer vergangene Woche beim PZ-Management-Kongress.

Die Werte und das Traditionsbewusstsein der Familie führten zu einer hohen Vertrauenskultur und enger Verbundenheit zu Mitarbeitenden und Kunden. »Wir stellen Persönliches für die Apotheke hintenan, setzen auf langfristige Planung und nachhaltiges Wachstum statt kurzfristigen Profit. Weil wir so viele Augen und Ohren haben, können wir uns Marktveränderungen so gut anpassen. Dabei tragen Familienmitglieder genau wie unsere Mitarbeiter gleichermaßen zu Innovationen bei.«

Denn jede und jeder im Team werde gehört, gute Ideen diskutiert und ausprobiert, ob es um die Optimierung  und Digitalisierung der Betriebsabläufe oder potenzielle neue Dienstleistungen geht. Alle besuchen regelmäßig Fortbildungen, auch im Ausland, um dort neue Ideen zu sammeln, zum Beispiel zum Medikationsmanagement oder moderner Rezepturherstellung. Dabei achte man auf Effizienz und Nachhaltigkeit.

Alles digital bis auf den BtM-Ordner

»Bei uns gibt es mittlerweile nur noch den klassischen BtM-Ordner, alles andere haben wir digitalisiert«, berichtete Scharpf. »Die Dokumentation erfolgt digital, Termine lassen sich online buchen, verknüpft mit einer Mitarbeiter-Verfügbarkeitsprüfung, der Botendienst liefert mit iPad und optimierter Route aus. »

Medikationsanalysen bietet die Apotheke Scharpf bereits seit 2010 an – lange Jahre als Selbstzahlerleistung, seit 2022 im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistungen. »Damals bin ich noch ausgelacht worden, dass wir das mal in der Apotheke bezahlt bekommen sollen«, so die Referentin. »Manchmal muss man einfach Geduld haben und den richtigen Zeitpunkt abwarten, wie beim Impfen.« Auch hier hatten die Familie beim Umbau vor einigen Jahren diese Möglichkeit bereits mitbedacht.

Ihre Vision sei die Apotheke vor Ort als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen, so wie in England, erklärte Scharpf. Dort wird mit dem Slogan »Pharmacy first« sogar vom staatlichen Gesundheitsdienst dafür geworben, zunächst eine Apotheke statt einen Arzt aufzusuchen, um das System zu entlasten. »Wir haben als Apotheke so viel drauf, was in der Pandemie alle gesehen haben – wir sollten öfter sagen, wir können das und machen es auch, egal was wir für Aufgaben übernehmen.«

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