| Christina Hohmann-Jeddi |
| 23.10.2026 16:20 Uhr |
»Der erste dokumentierte menschliche Nachweis zeigt, dass das Shamonda-Virus grundsätzlich auch Menschen infizieren kann«, sagt Professor Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg, gegenüber dem Science Media Center Deutschland. Es stelle sich aber die Frage: »Handelt es sich tatsächlich um die erste menschliche Infektion oder um die erste, die wir entdeckt haben?«
Er rät dazu, die bisher in der Veterinärmedizin etablierten Nachweisverfahren für das Virus an menschlichen Proben zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Zudem sollte der Erreger bei unklaren Gehirnentzündungen als mögliche Ursache berücksichtigt werden – »insbesondere bei immunsupprimierten Patienten in Regionen, in denen das Virus im Tierbestand zirkuliert«.
Gnitzen seien schon länger als Virusüberträger aus der Tiermedizin bekannt, etwa als Vektor für das mit dem SHAV verwandte Schmallenbergvirus, berichtet Schmidt-Chanasit. »Relevant ist insbesondere die Gattung Culicoides mit weltweit mehr als 1300 Arten.« Die Mücken würden vor allem Tiere stechen, manche Arten aber auch Menschen. Die Bedeutung als Überträger von Viren beim Menschen müsse verstärkt untersucht werden, sagt der Experte. Hier bestehe noch Forschungsbedarf.
»Viele der für die Tiergesundheit relevanten Gnitzenarten sind in Deutschland heimisch«, so Schmidt-Chanasit. Veränderte klimatische Bedingungen könnten ihre Aktivitätszeiten und die Möglichkeiten der Virusübertragung beeinflussen.