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Frankreich
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Todesfall durch Shamonda-Virus-Infektion

In Frankreich ist erstmals ein Mensch an einer Infektion mit dem Shamonda-Virus erkrankt, das vor allem Tiere befällt. Der immunsupprimierte Patient ist an der Infektion gestorben, melden die Behörden.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 23.10.2026  16:20 Uhr

In Frankreich wurde erstmals das Shamonda-Virus (SHAV), ein durch Gnitzen übertragenes Orthobunyavirus aus der Familie der Peribunyaviridae, bei einem Menschen nachgewiesen. Der zuvor bereits stark immungeschwächte infizierte Patient verstarb laut Angaben der französischen Behörden Anfang Oktober in einem Krankenhaus in Lyon. Nach aktuellem Stand gehen Fachleute vor Ort davon aus, dass er sich in Ostfrankreich durch einen Insektenstich infizierte, vermutlich durch eine Gnitze. Gnitzen sind eine Familie von Insekten, die zu den Mücken gehören.

»Dies ist weltweit der erste und bislang einzige bekannte Fall einer menschlichen Infektion mit diesem Virus, das seit den 1960er-Jahren aus Afrika bekannt ist«, meldete gestern das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Bislang traten Infektionen mit dem Erreger ausschließlich bei Tieren auf, vor allem bei Rindern, Ziegen und Schafen. Es gebe keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung der Allgemeinbevölkerung, informiert das FLI. Der Einzelfall werde weiter untersucht. »In Deutschland laufen außerdem erste Untersuchungen an, um festzustellen, ob Menschen Antikörper gegen das Shamonda-Virus aufweisen«, heißt es in der Mitteilung.

Virus wurde erst vor Kurzem eingeschleppt

Das FLI hatte im August 2026 erstmals von Infektionen mit dem Shamonda-Virus in Rinderbeständen in Süddeutschland berichtet. Auch in der Schweiz, in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und zahlreichen weiteren mitteleuropäischen Ländern wurde das neu eingeschleppte Virus inzwischen nachgewiesen. Die Infektionen bei den Tieren seien größtenteils mit milden Symptomen verlaufen, heißt es vom FLI. Bei Pferden wurden einzelne Infektionen mit schwerwiegenden Symptomen festgestellt: »Sie zeigten zentralnervöse Störungen und nach ihrem Tod wurden hohe Viruslasten im Gehirn festgestellt, was auf die SHAV-Infektion als Todesursache hinweist.«

Was bedeutet die erste Infektion beim Menschen?

»Der erste dokumentierte menschliche Nachweis zeigt, dass das Shamonda-Virus grundsätzlich auch Menschen infizieren kann«, sagt Professor Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Abteilung Arbovirologie und Entomologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg, gegenüber dem Science Media Center Deutschland. Es stelle sich aber die Frage: »Handelt es sich tatsächlich um die erste menschliche Infektion oder um die erste, die wir entdeckt haben?«

Er rät dazu, die bisher in der Veterinärmedizin etablierten Nachweisverfahren für das Virus an menschlichen Proben zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Zudem sollte der Erreger bei unklaren Gehirnentzündungen als mögliche Ursache berücksichtigt werden – »insbesondere bei immunsupprimierten Patienten in Regionen, in denen das Virus im Tierbestand zirkuliert«.

Gnitzen seien schon länger als Virusüberträger aus der Tiermedizin bekannt, etwa als Vektor für das mit dem SHAV verwandte Schmallenbergvirus, berichtet Schmidt-Chanasit. »Relevant ist insbesondere die Gattung Culicoides mit weltweit mehr als 1300 Arten.« Die Mücken würden vor allem Tiere stechen, manche Arten aber auch Menschen. Die Bedeutung als Überträger von Viren beim Menschen müsse verstärkt untersucht werden, sagt der Experte. Hier bestehe noch Forschungsbedarf.

»Viele der für die Tiergesundheit relevanten Gnitzenarten sind in Deutschland heimisch«, so Schmidt-Chanasit. Veränderte klimatische Bedingungen könnten ihre Aktivitätszeiten und die Möglichkeiten der Virusübertragung beeinflussen.

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