| Alexandra Amanatidou |
| 14.01.2026 15:40 Uhr |
Ein weiteres großes Thema war die Steuerung von Patientinnen und Patienten. Theiss wünscht sich zunächst eine digitale Einschätzung und anschließend den Besuch in der Arztpraxis. »Menschen, die digital nicht so affin sind, sollten auch eine andere Möglichkeit haben. Die erste digitale Einschätzung wird sich aber vermutlich etablieren«, sagte er. Ein Primärversorgungssystem werde seiner Meinung nach dennoch nicht die Kosten der GKV stützen, sondern lediglich eine bessere Steuerung im System ermöglichen. »Die Industrie, die Krankenkassen, aber auch die Patientinnen und Patienten haben eine Verantwortung für die Entlastung des Systems«, sagte er mit Blick auf einer Praxisgebühr.
Reimann stellte sich gegen eine Praxisgebühr. Diese gab es bereits in der Vergangenheit, sie hat jedoch nicht funktioniert. »Geld gibt es genug im System. Das Problem ist die Verteilung«, sagte die AOK-BV-Vorstandsvorsitzende. Auch Richter-Scheer sieht das ähnlich: »Wenn die Menschen gut gesteuert werden, brauchen wir auch nicht über mehr Geld zu reden.«
»Wir ermöglichen Patienten-Odysseen, weil wir keine gute Steuerung im System haben. Durch gezielte Maßnahmen können wir das ändern«, so Grau. Für ihn ist es wichtig, möglichst viele Probleme bereits beim Hausarztbesuch zu lösen und nur komplexe Fälle an Fachärztinnen und -ärzte zu überweisen.
»Optimal wäre eine Einschätzung der Eindringlichkeit und eine Abschließung im Primärversorgungssystem«, stimmt Reimann zu. Hausärztinnen und -ärzte sollten auch bei der Terminvereinbarung ihre Patientinnen und Patienten unterstützen, so Reimann. Beier sprach sich für eine Priorisierung der Fälle, etwa durch ein Ampelsystem, aus. Rot bedeutet dringlich und muss direkt versorgt werden, grün kann noch eine längere Wartezeit haben.