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Fälschungsschutz-System
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Störung bei Securpharm - Verifikation nicht möglich

Bei Securpharm gibt es derzeit ein Problem: Das Datenbanksystem der pharmazeutischen Industrie ist ausgefallen. Die Überprüfung und Ausbuchung von Arzneimittel-Packungen ist daher aktuell nicht möglich. Der Betreiber arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung.
AutorJennifer Evans
Datum 15.06.2022  13:00 Uhr

Im Fälschungsschutzsystem Securpharm gibt es aktuell ein Problem. Seit heute Vormittag ist der sogenannte PU-Server down, also das Datenbanksystem der pharmazeutischen Industrie. Wie die Netzgesellschaft Deutscher Apotheken (NGDA) selbst mitteilte, liegt die Störung aber nicht bei der NGDA. Aktuell ist eine Überprüfung und Ausbuchung von Arzneimitteln im Securpharm-System nicht möglich. Der Apothekenserver beantwortet alle Anfragen derzeit mit der Rückmeldung SP-901 (system not available). Der Betreiber arbeite mit Hochdruck an der Wiederherstellung, heißt es seitens der NGDA.

Der Ausfall besteht seit etwa 10:30 Uhr am heutigen Mittwoch und ist laut ABDA unabhängig von den angekündigten Wartungsarbeiten in der heutigen Nacht zwischen 22 Uhr und etwa 23:30 Uhr. Betroffen von den Störungen sind neben Deutschland folgende Länder: Österreich, Belgien/Luxemburg, Estland, Finnland, Frankreich, Ungarn, Lettland, die Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei und Nordirland.

Je nach der genutzten Software ließen sich aber Anfragen puffern. Das bedeutet, dass diese weiterhin regelmäßig gesendet werden. Eine positive Rückmeldung darauf erfolgt dann, sobald das System wieder verfügbar ist. Sollte dies nicht funktionieren, müssten die Apotheken während der Ausfallzeit die Packungsdaten (mindestens PC und SN) notieren oder abfotografieren, informiert die NGDA. Sobald das System wieder verfügbar ist, kann eine manuelle Ausbuchung der Schachteln erfolgen, beispielsweise über die Notfalloberfläche des Apothekenservers securPharm-gui.ngda.de

Bedeutung des PU-Systems

Der PU-Server ist ein wichtiger Baustein bei Securpharm. Denn bei jeder Verifikation oder Ausbuchung einer Packung wird eine Anfrage an das Apothekensystem (AP-System) gesendet und die Packungsdaten dorthin übermittelt. Auf diese Informationen hat nur die NGDA Zugriff. Aus dem AP-System gelangt die Anfrage dann an die Datenbank der pharmazeutischen Industrie.

Welche Apotheke wo eine Arzneimittelpackung gescannt hat, weiß das PU-System nicht. Es erhält nur eine anonymisierte NGDA-Nutzer-ID. Diese Abfrage dient ausschließlich dazu abzugleichen, ob die Sicherheitsmerkmale der Packung den Daten entsprechen, die bereits im System hinterlegt sind. Ohne diesen Abgleich ist es also nicht möglich, eine Schachtel auf ihre Echtheit zu überprüfen.

Anbindung an EU-Hub

Seit dem 9. Februar 2019 sind Apotheken verpflichtet, vor Abgabe von Rx-Präparaten den Data-Matrix-Code der Packung zu scannen, um diese auf Echtheit zu überprüfen. Der europaweite Überwachungsmechanismus, hinter dem hierzulande die Organisation Securpharm steht, soll die Sicherheit im legalen Arzneimittelhandel wahren.

Die Verbindung des Securpharm-Systems an den europäischen Hub, über den alle nationalen Systeme der Mitgliedstaaten verbunden sind, erfolgt ebenfalls über das PU-System. Der Hub ist ein zentraler Datenrouter und wird von der European Medicines Verification Organisation (EMVO) verantwortet. Pharmaunternehmen laden über den EU-Hub ihre Packungsdaten hoch, damit die nationalen Systeme darauf zugreifen können.

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