| Paulina Kamm |
| 09.03.2026 16:24 Uhr |
Und wie ist es hierzulande? Eine Erhebung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) aus dem Jahr 2024 verzeichnete 91.479 Kontaktaufnahmen zum Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« in Deutschland. Insgesamt kam es zu 61.235 Beratungen, etwa 4 Prozent mehr als im Vorjahr und damit ein neuer Höchststand. Seit 2020 machen Apotheken bundesweit auf das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« aufmerksam.
Die Sprecherin für Frauengesundheit der Linken, Julia-Christina Stange, sieht einen Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Frauen und Gewalt im Gesundheitswesen: »Das Gesundheitswesen ist einer der am stärksten feminisierten Arbeitsbereiche. Gleichzeitig arbeiten viele Beschäftigte unter enormem Druck: Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung, Schichtarbeit und ökonomischer Kostendruck prägen den Alltag«, so Stange. Laut Statistischem Bundesamtes beträgt der Frauenanteil im Gesundheitssystem 74,4 Prozent.
Auch andere Quelle berichten von einer Gewaltzunahme. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib waren drei Viertel der befragten 1.008 Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und medizinischen Fachangestellten in den vergangenen zwölf Monaten mit Gewalt in verschiedenem Ausmaß konfrontiert.
Eine flächendeckende Strategie gegen Gewalt fehlt auch im Gesundheitswesen. Zwar berichten einzelne Kliniken von hausinternen Konzepten, doch verpflichtet sind sie dazu nicht. Die Linke fordert hier: »Besonders wer im Gesundheitswesen arbeitet, hat ein Recht auf Sicherheit, Respekt und gute Arbeitsbedingungen. Dazu gehören verbindliche Schutzkonzepte in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, klare Melde- und Unterstützungsstrukturen für Betroffene sowie eine konsequente strafrechtliche Verfolgung von Übergriffen«, so Stange.
Ende vergangen Jahres reagierte der Gesetzgeber: Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) schlug einen neuen Tatbestand im Strafgesetzbuch (StGB) vor: »Widerstand gegen oder tätlicher Angriff auf Personen, die eine dem Gemeinwohl dienende Tätigkeit ausüben.«