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Rezeptbetrug
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Staatsanwaltschaft: 12 Beschuldigte in Untersuchungshaft

Nach Informationen der Staatsanwaltschaft München nehmen Betrugsfälle mit Rezepten in Apotheken seit Ende 2023 immer mehr zu. Bislang konnten mehr als 40 Täter in Bezug auf Rezepteinlösungen in München und etwa 390 weitere Täter im gesamten Bundesgebiet identifiziert werden.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 03.12.2025  18:00 Uhr

Bestellungen mit Mobilnummern aus Berlin und Hannover

Bislang seien in dem Deliktsbereich insgesamt mehr als 40 Täter in Bezug auf Rezepteinlösungen in München und etwa 390 weitere Täter im gesamten Bundesgebiet identifiziert worden. Die weiterhin arbeitsteilig agierenden Täter hätten den »modus operandi« im Laufe der Zeit optimiert, so die Staatsanwaltschaft weiter.

So würden die Vorbestellungen mittlerweile zentral mit wechselnden Mobilfunknummern aus dem Raum Berlin und Hannover vorgenommen. Die inzwischen teilweise über Jobangebote auf Telegram angeworbenen Täter würden mit den Hintermännern verdeckt über Messenger kommunizieren und engmaschig über die jeweiligen Einsatzorte beziehungsweise Vorbestellungen in den Apotheken informiert. Die Betrüger würden die zentral in großer Stückzahl gefertigten »Rezeptfalsifikate« überwiegend mittels Briefsendung erhalten. Die erlangten Medikamente leiten sie wiederum über Paketsendungen an die Auftraggeber zum Weiterverkauf weiter und erhalten für jede geglückte Rezepteinlösung einen Betrag zwischen 50 Euro und 100 Euro.

Hinsichtlich der vermeintlichen Verordnungen habe zunächst eine Verlagerung auf das Medikament Mounjaro® mit einem Apothekenpreis von 1.445 Euro stattgefunden. Mittlerweile würden sich Fälle häufen, in denen hochpreisige Arzneimittel zur Krebsbehandlung mit Einzelpreisen bis zu 6000 Euro Gegenstand der gefälschten Kassenrezepte seien. »Soweit die Täuschung gelingt, werden auch diese Medikamente gegen die Zuzahlung von lediglich 10 Euro an die Täter ausgehändigt«, so die Staatsanwaltschaft.

Immenser Schaden bei den Krankenkassen

Die Qualität der gefälschten Kassenrezepte sei nach wie vor so gut, dass die Fälschung nur bei entsprechender Sensibilisierung zu erahnen sei.

Das Deliktsphänomen verursache bei den Krankenkassen weiterhin einen immensen Schaden. Allein die Barmer Krankenkasse habe von Juli 2024 bis August 2025 einen Gesamtschaden von über 2,5 Millionen Euro und 2387 einzelne Fälle gemeldet.

Die Staatsanwaltschaft München I führte und führt nach wie vor eine Vielzahl von Verfahren in dem Deliktsbereich. Aktuell befinden sich 12 Beschuldigte in unterschiedlichen Verfahren in Untersuchungshaft.

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