| Laura Rudolph |
| 09.01.2026 11:00 Uhr |
Dem Review zufolge kann körperliches Training auch mit einer Pharmako- oder Psychotherapie vergleichbar sein. Zehn Studien (414 Teilnehmende) zeigten kaum einen Unterschied zwischen Sport und Psychotherapie hinsichtlich der Reduktion depressiver Symptome (SMD: 0,03). Ähnlich fielen die Effekte im Vergleich mit einer medikamentösen Therapie aus (fünf Studien, 330 Teilnehmende, SMD: –0,11) Auch hier war die Evidenzqualität niedrig und Langzeitdaten lagen nur sehr begrenzt vor. Zudem bleibt unklar, wie sich körperliches Training im Vergleich zu anderen Therapien auf die Lebensqualität auswirkt.
Nebenwirkungen traten in den Trainingsgruppen selten auf. Berichtet wurden Muskel- und Gelenkbeschwerden; bei manchen Teilnehmenden kam es jedoch zu einer Verschlechterung der depressiven Symptome.
Insgesamt akzeptierten die Teilnehmenden Bewegungsprogramme ebenso gut wie psycho- und pharmakotherapeutische Interventionen. Dies wurde anhand der Abbruchraten gemessen, also daran, wie viele Personen die jeweilige Studie bis zum Ende durchführten.
Die Autoren weisen darauf hin, dass viele der eingeschlossenen Studien nur wenige Teilnehmende hatten und/oder methodische Schwächen aufwiesen. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko für Verzerrungen. Zudem basieren einige Ergebnisse auf Selbstauskünften, was die Aussagekraft weiter einschränkt. Die häufig kurzen Beobachtungszeiträume erlauben darüber hinaus keine verlässlichen Aussagen zu langfristigen Effekten.
Ein weiterer Aspekt ist, dass Antidepressiva bei milden bis moderaten Depressionen im Durchschnitt nur einen begrenzten Zusatznutzen gegenüber Placebo zeigen, während die Wirksamkeit bei schweren Verlaufsformen deutlich besser belegt ist. Vor diesem Hintergrund relativieren sich Vergleiche zwischen Bewegung und medikamentöser Therapie in weniger schweren Fällen.
Gleichzeitig darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es für viele Menschen mit einer Depression aufgrund ausgeprägter Antriebslosigkeit schwierig sein kann, sich zu regelmäßiger körperlicher Aktivität zu motivieren.
»Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bewegung eine sichere Möglichkeit ist, um die Symptome einer Depression zu lindern«, fasst der Erstautor in einer Pressemitteilung zusammen. »Bewegung wirkt bei manchen Menschen gut, aber nicht bei allen. Daher ist es wichtig, Ansätze zu finden, die der Einzelne bereit und in der Lage ist, langfristig beizubehalten.«
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