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Cochrane-Review
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Sport bei Depression ähnlich wirksam wie Medikamente

Körperliche Betätigung könnte die Symptome einer Depression ähnlich gut senken wie Psychotherapie oder Antidepressiva. So lautet das Fazit eines aktuellen Cochrane-Reviews. Die Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da die Evidenzqualität überwiegend niedrig war. Zudem fehlten in vielen Studien Langzeitdaten.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 09.01.2026  11:00 Uhr

Bewegung und Sport können sich auf zahlreiche Erkrankungen und Beschwerden positiv auswirken, darunter auch auf die Symptome einer Depression. Wie groß dieser Effekt ist und wie körperliches Training im Vergleich zu einer Psycho- oder Pharmakotherapie abschneidet, hat nun ein Team um Professor Dr. Andrew J. Clegg von der University of Lancashire in Preston (England) in einem Cochrane-Review untersucht

Dazu analysierten die Forschenden 73 Studien mit insgesamt 4985 erwachsenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einer Depression. Ein Teil der Studien verglich Bewegung mit keiner Behandlung oder Kontrollinterventionen wie Placebo. Andere Publikationen untersuchten, wie körperliche Betätigung im Vergleich zu Antidepressiva oder Psychotherapie abschnitt. Art und Umfang des Trainings variierten dabei deutlich und umfassten unter anderem Kraft- und Ausdauertraining.

Als primären Endpunkt definierten die Forschenden die depressiven Symptome der Patienten am  Ende der Intervention beziehungsweise des Beobachtungszeitraums. Weitere Endpunkte waren die Akzeptanz der Behandlung, Lebensqualität, Kosten und Nebenwirkungen.

Moderater Effekt auf depressive Symptome

Es zeigte sich, dass körperliches Training die Symptome mildern kann – allerdings mit unklaren Langzeiteffekten. Aus 57 Studien (2189 Teilnehmende), die Bewegung mit keiner oder einer Kontrollintervention wie Placebo verglichen, ergab sich eine standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) von –0,67. Die SMD ist ein statistisches Maß zur Beschreibung von Effektstärken. Werte um 0,2 gelten als klein, um 0,5 als mittel und ab etwa 0,8 als groß – unabhängig davon, ob mit Plus- oder Minuszeichen. Das Vorzeichen gibt lediglich die Richtung des Effekt an. Demnach führte körperliche Betätigung zu einer mittleren Reduktion depressiver Symptome. Die Evidenzqualität war jedoch niedrig.

In sieben methodisch hochwertigeren Studien (447 Teilnehmende) fiel der Effekt geringer aus (SMD: –0,46). Neun Studien (405 Teilnehmende) mit längerem Beobachtungszeitraum lieferten Hinweise auf eine mögliche moderate Langzeitwirkung (SMD: –0,53), allerdings ebenfalls nur mit sehr niedriger Evidenzqualität.

Vergleichbarer Effekt zu Medikamenten und Psychotherapie

Dem Review zufolge kann körperliches Training auch mit einer Pharmako- oder Psychotherapie vergleichbar sein. Zehn Studien (414 Teilnehmende) zeigten kaum einen Unterschied zwischen Sport und Psychotherapie hinsichtlich der Reduktion depressiver Symptome (SMD: 0,03). Ähnlich fielen die Effekte im Vergleich mit einer medikamentösen Therapie aus (fünf Studien, 330 Teilnehmende, SMD: –0,11) Auch hier war die Evidenzqualität niedrig und Langzeitdaten lagen nur sehr begrenzt vor. Zudem bleibt unklar, wie sich körperliches Training im Vergleich zu anderen Therapien auf die Lebensqualität auswirkt.

Nebenwirkungen traten in den Trainingsgruppen selten auf. Berichtet wurden Muskel- und Gelenkbeschwerden; bei manchen Teilnehmenden kam es jedoch zu einer Verschlechterung der depressiven Symptome.

Insgesamt akzeptierten die Teilnehmenden Bewegungsprogramme ebenso gut wie psycho- und pharmakotherapeutische Interventionen. Dies wurde anhand der Abbruchraten gemessen, also daran, wie viele Personen die jeweilige Studie bis zum Ende durchführten.

Ergebnisse mit Vorsicht betrachten

Die Autoren weisen darauf hin, dass viele der eingeschlossenen Studien nur wenige Teilnehmende hatten und/oder methodische Schwächen aufwiesen. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko für Verzerrungen. Zudem basieren einige Ergebnisse auf Selbstauskünften, was die Aussagekraft weiter einschränkt. Die häufig kurzen Beobachtungszeiträume erlauben darüber hinaus keine verlässlichen Aussagen zu langfristigen Effekten.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Antidepressiva bei milden bis moderaten Depressionen im Durchschnitt nur einen begrenzten Zusatznutzen gegenüber Placebo zeigen, während die Wirksamkeit bei schweren Verlaufsformen deutlich besser belegt ist. Vor diesem Hintergrund relativieren sich Vergleiche zwischen Bewegung und medikamentöser Therapie in weniger schweren Fällen.

Gleichzeitig darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es für viele Menschen mit einer Depression aufgrund ausgeprägter Antriebslosigkeit schwierig sein kann, sich zu regelmäßiger körperlicher Aktivität zu motivieren.

»Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bewegung eine sichere Möglichkeit ist, um die Symptome einer Depression zu lindern«, fasst der Erstautor in einer Pressemitteilung zusammen. »Bewegung wirkt bei manchen Menschen gut, aber nicht bei allen. Daher ist es wichtig, Ansätze zu finden, die der Einzelne bereit und in der Lage ist, langfristig beizubehalten.«

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