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Sonnencreme und Tagespflege
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Sonnenschutz richtig machen

Sollte zuerst die Tagescreme oder direkt die Sonnencreme aufgetragen werden? Und erhöht sich der Schutz, wenn mehrere Produkte mit Lichtschutzfaktor kombiniert werden? Professor Dr. Rolf Daniels von der Universität Tübingen räumt mit verbreiteten Irrtümern rund um den Sonnenschutz auf.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 11.03.2026  11:00 Uhr

Draußen lockt die Frühlingssonne und damit wird es Zeit, einen Sonnenschutz aufzutragen. Die Produkte senken nicht nur das Risiko für Hautkrebs, sondern reduzieren auch die Hautalterung. Doch was gibt es dabei zu beachten und was kann man falsch machen?

Es gibt zum Beispiel den Rat, eine Tagescreme vor dem Sonnenschutzprodukt aufzutragen, weil diese die Haut befeuchte und es den UV-Filtersubstanzen erleichtere in die Haut einzudringen. Laut Professor Dr. Rolf Daniels von der Universität Tübingen gibt es diesen synergistischen Effekt jedoch nicht. »Eine Tagescreme aufzutragen, um eine gesunde Hautfeuchte zu haben, ist immer eine gute Idee«, sagt der Pharmazeutische Technologe im Gespräch mit der PZ. Das gilt zum einem am Morgen, besonders aber nach einem sonnigen Tag. »Wenn wir uns in der Sonne bewegen, hat das einen austrocknenden Effekt.« Daher sollte man abends eine feuchtigkeitsspende Gesichtscreme und Körperlotion auftragen.

Auf die Wirkung des Sonnenschutzproduktes habe die Hautfeuchte aber keinen Einfluss, erklärt Daniels. »Die Filterpartikel sollen gar nicht weit in die Haut eindringen, sondern oben aufliegen beziehungsweise nur wenige Zellschichten tief in die Hornschicht gelangen.«

Ein gewisses Eindringen sei nötig, damit die UV-Filtersubstanzen nicht zu schnell abgewischt werden. Zu tief sollten die Substanzen aber nicht eindringen, weil das der erste Schritt in Richtung Resorption sein könnte. Die Feuchtigkeit der Haut habe für den UV-Schutz keine Relevanz.

Verschiedene Produkte übereinander

In vielen Medien war zuletzt der Rat zu lesen, dass man keine Tagescreme mit Lichtschutzfaktor (LSF) unter der Sonnencreme verwenden sollte, da der erste aufgetragene LSF für den Schutz entscheidend sei. Das würde bedeuten, dass eine nach der Pflegecreme aufgetragene Sonnencreme den Schutz nicht weiter erhöhen könnte. »Aus meiner Sicht ist das Unsinn«, sagt Daniels. Eine Tagescreme mit eigenem LSF sei bei geringem UV-Index sogar zu empfehlen, weil die Inhaltsstoffe in dem Produkt aufeinander abgestimmt sind. Viele Tagescremes haben einen LSF von 10 oder 15.

Wer einen höheren Schutz benötigt und zusätzlich zur Pflege- noch eine Sonnencreme auftragen möchte, sollte dies nicht unmittelbar hintereinander tun. Für die Reihenfolge gilt laut Daniels: zuerst die Tagescreme und etwas zeitversetzt die Sonnencreme. Der zeitliche Abstand sei wichtig, da die Inhaltsstoffe der beiden Produkte miteinander interagieren könnten, was etwa die Penetration der Filtersubstanzen erhöhen könnte. Der Sonnenschutz wird dadurch aber nicht beeinträchtigt, sondern erhöht sich durch das zweite Produkt.

Sonnen- und Tagescremes mit LSF enthalten UV-Filtersubstanzen. Diese Moleküle absorbieren UV-Strahlung, indem sie deren Energie aufnehmen, dadurch kurzzeitig in einen angeregten Zustand übergehen und schließlich die Energie als Wärme oder ungefährliche Strahlung mit längerer Wellenlänge wieder abgeben. Je höher die Konzentration der UV-Filtersubstanzen in der Creme, desto höher ist im Prinzip auch der Schutz.

Wenn man also erst eine Tagescreme mit LSF 15 und dann einen Sonnenschutz zum Beispiel mit LSF 50 auftrage, erhöht sich der Schutz, erklärt Daniels. »Dabei ergibt sich der gesamte LSF-Wert nicht durch eine einfache Addition der beiden Werte, aber es kommt auf jeden Fall Schutz hinzu.« Die auf der Packung angegebenen LSF erreiche man aber nur mit ausreichend hohen Mengen des Produkts – nämlich mit etwa 2 mg Creme pro cm² Haut, betont der Apotheker. Für Gesicht und Hals sind somit 1,5 bis 2 g Creme nötig, was zwei fingerlangen Linien Creme entspricht. 

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