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Möglicher Therapieansatz
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Sind Nikotinpflaster ein Gamechanger bei Long Covid?

Bisher gibt es keine ursächliche Therapie gegen Long Covid. Eine Forschungsgruppe aus Leipzig hat nun in einer Fallstudie einen vielversprechenden, vermutlich kausalen Therapieansatz entdeckt: Nikotinpflaster. Die Ergebnisse müssen aber noch in weiteren Studien bestätigt werden.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 10.03.2025  14:30 Uhr
Sind Nikotinpflaster ein Gamechanger bei Long Covid?

Manche Menschen leiden noch lange nach einer akuten SARS-CoV-2-Infektion am Long-Covid-Syndrom. Es kann mit verschiedenen Beschwerden wie Schwäche, Gedächtnisverlust, Schmerzen und Atemnot einhergehen und Monate bis Jahre andauern. Long Covid schränkt die Lebensqualität der Betroffenen meist stark ein. Es müsse davon ausgegangen werden, dass es in Deutschland eine sechsstellige Zahl von ihnen gibt, wie die damalige Bundesregierung im Oktober 2024 informierte.

Die genauen Mechanismen hinter Long Covid sind noch nicht vollständig erforscht. Daher ist es derzeit nur möglich, die Symptome, aber nicht die Ursachen zu behandeln. Möglicherweise könnte sich dies zukünftig ändern. Eine Forschungsgruppe der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Leipzig um Dr. Marco Leitzke von der Helios Klinik Leisnig hat einen potenziellen kausalen Therapieansatz entdeckt: Nikotinpflaster. Das Team führte ein Review und eine Fallstudie durch. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen sind kürzlich im Fachjournal »Journal Bioelectronic Medicine« erschienen.

Hypothese: Gestörte cholinerge Neurotransmission als Ursache

Zunächst begutachteten Leitzke und Kollegen Literatur, die sich damit beschäftigt, wie sich eine Blockade von nikotinergen Acetylcholinrezeptoren (nAChR) auf verschiedene Körpersysteme auswirkt. Ihrer Hypothese nach treten die Long-Covid-Symptome dadurch auf, dass das Spike-Protein des Coronavirus dauerhaft an nAChR bindet und diese für körpereigene Liganden wie Acetylcholin (ACh) und Cholin blockiert.

Da ACh und Cholin aber für eine Vielzahl von neuronalen Prozessen gebraucht werden, stört die Spike-Protein-Blockade Zell- und Organsysteme auf vielfältige Weise. Das könnte unter anderem die kognitiven, geistigen und neuromuskulären Einschränkungen sowie Stimmungsbeeinträchtigungen und vegetative Symptome von Long-Covid-Patienten erklären.

Der sekundäre Pflanzenstoff Nikotin, der eine hohe Affinität besonders zu einem speziellen Subtyp der nAChR (α4β2) aufweist, könnte die Effekte rückgängig machen, indem er die Spike-Proteine von der Bindungsstelle verdrängt, sodass diese wieder für körpereigene Transmitter frei werden.

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