Die Dermatologin untersucht beim Screening die Haut am gesamten Körper. Auch die Kopfhaut sollte nach Muttermalen abgesucht werden. / © Getty Images/Inside Creative House
Jeder ab 35 Jahren kann sich alle zwei Jahre auf Hautkrebs untersuchen lassen. Ob das die Krankenkassen auch in Zukunft bezahlen, ist unklar. Der Gemeinsame Bundesausschuss überprüft derzeit die Vorsorgeuntersuchung. Professorin Dr. Carola Berking ist dagegen, das Screening vollständig abzuschaffen. »Wir setzen uns für ein risikoadaptiertes Screening ein«, sagte sie bei einem Online-Vortrag der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Diese veranstalteten vom 21. bis 27. September die Nationale Krebspräventionswoche.
»Ich erkenne an, dass wir es tatsächlich nicht durch das Programm geschafft haben, die Todesfälle durch Hautkrebs zu reduzieren«, erklärt Berking. Laut ihr sind dieses Jahr etwa 355.000 Neuerkrankungen an Hautkrebs prognostiziert. Knapp ein Siebtel davon sind Melanome (schwarzer Hautkrebs). Die Mortalität liegt bei ihnen deutlich höher als bei weißem Hautkrebs. So sterben in Deutschland »allein 3000 an Melanomen und noch mal etwa 1000 an hellem Hautkrebs pro Jahr«.
Berking befürwortet das Hautkrebs-Screening. Bösartige Veränderungen werden so häufig bereits in einem frühen Stadium entdeckt. Für viele sei das segensreich: Sie hätten weniger starke Narben oder sparten sich den stationären Aufenthalt. Auch das Bewusstsein, sich vor UV-Strahlen zu schützen, könne durch das Hautkrebs-Screening gestärkt werden. »Ich sehe es also mit Sorge, wenn jetzt nur aufgrund dieses einen Datenpunkts »Todesfall« das Screening gestrichen wird«, sagt Berking. Sie sehe einen ganzen Rattenschwanz schwieriger Behandlungen folgen.
Ein weiterer Vorteil ist laut Berking, dass das Hautkrebs-Screening recht einfach und relativ günstig ist. Erkenntnisse gewinne man dabei viele. »Wir verfolgen jetzt das Ziel, dass es bleibt, aber vielleicht konzentrierter auf die Risikopopulationen«, sagt sie. Von den 30 Prozent, die das Screening überhaupt beanspruchen, seien viele eben keine Risikopatienten, so Berking.
Dennoch solle man in jedem Fall einmal zu seinem zertifizierten Hausarzt oder direkt zum Dermatologen gehen, empfiehlt Berking. Ärztinnen und Ärzte könnten dann das Risiko einschätzen und eine Empfehlung geben, in welcher Frequenz ein Screening angemessen ist. Je nach individuellem Risiko kann diese nämlich stark variieren. Menschen mit einem transplantierten Organ müssten möglicherweise alle drei bis sechs Monate ihre Haut überprüfen lassen.
Wie viele vielleicht wissen, sind auch Menschen mit einem hellen Hauttyp, Sommersprossen und vielen Muttermalen gefährdet. Personen, die oder deren Familie bereits Hautkrebs hatten, haben ein erhöhtes Risiko – genauso wie Menschen, die überwiegend draußen arbeiten. Auf diese müsse man sich konzentrieren, so Berking. Sie schlägt vor, diese Gruppen zu identifizieren und strukturiert mit einem Termin zum Screening einzuladen. »Die Straßenarbeiter, Bademeister, Dachdecker und Skilehrer« könne man so mit der Prävention erreichen.