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PZ Nachgefragt

Schmidt: »Das Amt wird nicht leichter«

Bei der Wahl zur neuen ABDA-Spitze kam es zum Eklat: Die Mitgliederversammlung verwehrte der amtierenden Präsidentin Gabriele Regina Overwiening eine zweite Amtszeit. Über den historischen Moment, die Hintergründe und den Ausblick auf die kommende Wahl sprach die PZ mit ABDA-Ehrenpräsident Friedemann Schmidt.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 13.12.2024  10:00 Uhr

Schmidt saß als Ehrenpräsident und Beobachter ganz hinten in der Mitgliederversammlung. Kein Tisch vor ihm, nur auf Beobachterposten. Aber was an diesem Mittwoch, dem 11. Dezember, im Berliner Apothekerhaus geschah, damit hatte auch der langjährige Berufspolitiker nicht gerechnet.

Die Mitgliederversammlung stimmte mit 52 zu 48 Prozent gegen Overwiening wählte sie damit de facto ab. Auch Schmidt sei »geschockt« gewesen, berichtet er im Podcast »PZ Nachgefragt«. Zwar hatte auch Schmidt im Vorfeld von Unzufriedenheit gehört und nicht mit einem berauschenden Wahlergebnis gerechnet. Aber dann sei wohl etwas »außer Kontrolle geraten«.

Unabhängig davon, ob es ein fehlgegangener Warnschuss oder geplanter Umsturz war: Woher kam die große Unzufriedenheit und wieso hatte diese Gruppe keinen Gegenkandidaten aufgestellt? Auch Schmidt kennt das Prozedere normalerweise als »Friedenswahl«. Aber er sieht auch die Konfliktlinien. Die ABDA habe eben die beiden Säulen – Kammern und Verbände – mit durchaus unterschiedlichen Interessen. Die Moderation sei eine der wichtigsten Aufgaben der ABDA-Präsidentin oder des Präsidenten. »Selbst vorne stehen, wenn es nötig ist und sich zurücknehmen, wenn Anderen Raum gegeben werden muss.« Das sei die Kunst des Amts. Anders als noch vor zehn Jahren gebe es heute aber noch eine zweite Trennlinie – einen konservativen und einen progressiven Flügel. »Und diese Moderation ist auch sehr kompliziert und ganz offensichtlich nicht vollständig gelungen«, so Schmidt.

Allerdings erkennt der ehemalige Präsident auch schwierige Bedingungen an, unter denen seine Nachfolgerin arbeiten musste: Die drohende Apothekenreform eines speziellen Gesundheitsministers, eine schwierige wirtschaftliche Situation mit zwei massiven Inflationsjahren. »Die Unzufriedenheit in den Apotheken ist extrem groß. Insofern war es schwer, darauf die richtigen Antworten zu geben«, so Schmidt. Gestartet mit einer progressiven Agenda habe Overwiening aufgrund der Reform auf eine konservative Position umschwenken müssen. Da sitze man als ABDA-Präsident schnell zwischen den Stühlen.

Dennoch sieht Schmidt die ABDA nicht als geschwächt an durch den Wahltag. Im Gegenteil: Der Vorwurf der Hinterzimmerpolitik sei entkräftet worden, »demokratische Mechanismen funktionieren«.

Voraussichtlich am 23. Februar steht die Bundestagswahl an. Sollte die ABDA in dieser Phase auf Erfahrung an der Spitze setzen oder den Fokus auf einen echten Neustart setzen? »Das ist die Frage, wie viel Mut die ABDA-Mitgliederversammlung jetzt aufbringt«, so Schmidt. Da es ein stabiles Hauptamt und in DAV und BAK einen guten Mix aus Erfahrenen und neuen Kolleginnen und Kollegen gebe, könnte sich Schmidt einen echten Neuanfang vorstellen. Aber aus personellen Spekulationen will sich der Ehrenpräsident heraushalten.

So oder so: Das Amt werde nicht leichter. »Die nächsten vier Jahre werden gekennzeichnet sein von massiven Verteilungskämpfen in der ganzen Gesellschaft. Das wird kein leichter Job, auf dem man sich ausruhen kann«, prophezeit Schmidt. Beim neuen Präsidenten oder Präsidentin komme es jetzt wirklich auf die Persönlichkeit an. Die Fragen, die in den nächsten vier Jahren an den Beruf und die Institution Apotheke gestellt werden, wird man nicht mit den Antworten von gestern beantworten können. Die Herausforderungen sind so groß, dass man einen unverstellten, frischen Blick und vor allen Dingen einen optimistischen, zukunftsgerichteten Blick braucht, um diese Fragen glaubwürdig beantworten zu können.«

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