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Gematik-Daten
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Rund 10 Prozent Versand-Anteil in der E-Rezept-Testphase

Die E-Rezept-Einführung nimmt an Fahrt auf. Immer mehr Praxen, Apotheken, Rechenzentren und Kassen sind in der Lage, die E-Verordnungen abzuwickeln. Der EU-Versender Shop Apotheke gibt sogar an, E-Rezepte über alle Kassen abwickeln zu können. Erste Gematik-Daten zeigen in der Tat, dass der Versandhandel einen vergleichsweise hohen Rezeptanteil hat – allerdings sind die absoluten Abrechnungszahlen noch sehr gering.
AutorKontaktBenjamin Rohrer
Datum 17.03.2022  14:30 Uhr

Im Dezember des vergangenen Jahres hat die Gematik-Gesellschafterversammlung entschieden, die E-Rezept-Testphase bundesweit auszurollen. Heißt konkret: Das neue Verordnungssystem wird seitdem nicht mehr nur im Berliner Pilotprojekt getestet, sondern von einzelnen Clustern in verschiedenen Regionen Deutschlands. Für Ärzte und Apotheken, die technisch in der Lage sind, E-Rezepte abzuwickeln, gibt es seitdem kein Hindernis mehr, dies auch anzubieten. Eine weitere Hemmschwelle fiel Mitte Februar, als der GKV-Spitzenverband für alle Krankenkassen mitteilte, dass nun alle Krankenkassen in der Lage seien, über den zentralen Fachdienst (Server) ausgestellte E-Rezepte zu empfangen.

Für viele Vor-Ort-Apotheken haben diese Umstellungen zunächst wenig Bedeutung. Denn: Die Arztpraxen in ihrer Umgebung sind zumeist selbst nicht in der Lage, E-Rezepte auszustellen. Und: Große Software-Hersteller wie etwa CGM bieten den Apotheken weiterhin noch keine Updates an, die die Apotheken unbedingt benötigen, um E-Rezept-ready zu sein. Einige Versandhandelskonzerne sind hier schon einen Schritt weiter. Die Shop Apotheke meldet beispielsweise seit wenigen Tagen, dass sie E-Rezepte für alle Krankenkassen abwickeln kann. Zudem arbeitet der Konzern mit dem britischen Telemedizin-Anbieter Zava zusammen, dessen Ärzte bereits technisch in der Lage sind, elektronisch zu verordnen. Hinzu kommt, dass die Shop Apotheke und Doc Morris mit dem Abrechner König IDV zusammenarbeiten, der ebenfalls schon E-Rezepte verarbeiten kann. Kurzum: Die Shop Apotheke und Zava können ihren Kunden bereits den kompletten E-Rezept-Weg anbieten.

Wie groß ist der Vorsprung der Versandkonzerne?

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich die Versender in den vergangenen Wochen bereits einen kleinen Vorsprung gegenüber den Vor-Ort-Apotheken herausarbeiten konnten. Die PZ hat dazu bei der Gematik nachgefragt. Einem Sprecher zufolge haben die Rechenzentren der Gematik gemeldet, dass es bislang 2350 komplett abgerechnete E-Rezepte gegeben hat. Alleine mit der Februar-Abrechnung habe sich die Zahl zuletzt stark erhöht, so der Gematik-Sprecher. Der Gematik zufolge stammen »rund 10 Prozent« von Versandhändlern, etwa 90 Prozent der E-Verordnungen kommen demnach von Rechenzentren, die mit Vor-Ort-Apotheken zusammenarbeiten. Bei der Abrechnung dieser Verordnungen sei es bislang zu keinen Problemen gekommen, fügte der Gematik-Sprecher hinzu.

Wie sind diese Zahlen zu interpretieren? Klar ist: Im Vergleich zu den rund 640 Millionen Verordnungen, die pro Jahr in Deutschland entstehen, ist die Zahl verschwindend gering. Hinzu kommt, dass der Versandanteil noch sinken dürfte. Wenn immer mehr Arztpraxen und Vor-Ort-Apotheken in die Lage versetzt werden, elektronisch zu verordnen bzw. die Verordnungen zu empfangen, werden sich die Zahlen sicherlich zu Gunsten der Apotheken verschieben.

Sehr enge Verbindung zwischen Versendern und Online-Praxen

Allerdings dürften auch die Versandkonzerne ihre Bemühungen intensivieren und erneut große Marketing-Kampagnen fahren. Aus Sicht der Vor-Ort-Apotheken sind auch die engen Kooperationen zwischen Versendern und Online-Arztpraxen ein Problem. Den Patienten werden Verordnung und Abgabe hier quasi als ein Prozess dargestellt. Auf der Seite der Shop Apotheke kann man beispielsweise direkt eine Online-Sprechstunde bei Zava buchen. Der niederländische Konzern empfiehlt seinen Kunden zudem, nach der Arztberatung den Versandweg einzuschlagen. Ganz unabhängig von der Frage, ob dies rechtlich zulässig ist, könnte dieser Marketing-Trick dafür sorgen, dass immer mehr Menschen den Versandweg auswählen.

Rx-Marktanteil traditionell bei 1 Prozent

Klar ist aber auch, dass der derzeitige Anteil vielen Apothekern Sorgen machen dürfte. Denn: In den vergangenen Jahren hielt sich der Rx-Versandanteil konstant bei etwa 1 Prozent. Selbst nach dem EuGH-Urteil zur Rx-Preisbindung tat sich an dieser Zahl recht wenig. Alle Hoffnungen der Versender drehten sich in den vergangenen Jahren daher rund ums E-Rezept. Durch den Wegfall der Rezept-Briefe, die Kunden bislang in die Niederlande schicken mussten, werde sich der Marktanteil drastisch erhöhen, so die Hoffnung der Konzerne. Der damalige Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli hatte den Rx-Anteil von 10 Prozent auch als Zielmarke ausgegeben.

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