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Abnehmspritzen
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Rufe nach Erstattung werden lauter

Mittel zum Abnehmen boomen – deshalb muss die Produktion zunehmen, auch in Deutschland. Pünktlich zum heutigen Spatenstich des neuen Eli-Lilly-Werks im rheinhessischen Alzey ist die Frage wieder hochgekocht, ob die Mittel von den Kassen erstattet werden sollen. Ja, sagt die FDP.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 08.04.2024  13:44 Uhr

Die beiden Pharmaunternehmen Eli Lilly und Novo Nordisk haben dank ihrer Abnehmpräparate Mounjaro ® und Wegovy ® enorm zugelegt. Eli Lilly mit Sitz in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana ist inzwischen das größte Gesundheitsunternehmen der Welt, das dänische Unternehmen Novo Nordisk das größte in Europa

Weil die Nachfrage riesig und kein Ende in Sicht ist, kommen die Hersteller mit der Produktion nicht hinterher; es braucht mehr Produktionskapazität, auch in Deutschland. Heute soll es im rheinhessischen Alzey einen symbolischen Spatenstich für das neue Eli-Lilly-Werk geben, das ab 2027 produzieren soll. So bedeutend ist dies für den Pharmastandort Deutschland, dass sich höchster politischer Besuch in Person von Bundeskanzler Olaf Scholz sowie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (beide SPD) angekündigt hat.

Pünktlich zu dem Termin kochte nun auch die Frage wieder hoch, ob die Präparate künftig von den Kassen erstattet werden sollen. Bislang ist das nicht der Fall, weil Abnehmmedikamente unter die sogenannte Lifestyle-Regelung fallen, die in § 34 Abs. 1 SGB V geregelt ist. Darauf wies der GKV-Spitzenverband unlängst auf PZ-Anfrage erneut hin. Das Bundesgesundheitsministerium bekräftigte, dass sich an dieser Regelung nichts ändern solle. »Änderungen bei der GKV-Erstattung von Arzneimitteln zum Abnehmen sind nicht geplant«, teilte ein BMG-Sprecher vor Kurzem mit.

G-BA lehnte Sonderregel für Wegovy ab

Vor wenigen Wochen hatte auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bekräftigt, dass es für Wegovy keine Sonderregel geben werde. Er listete Wegovy in der Arzneimittel-Richtlinie entsprechend (Anlage II – Lifestyle-Arzneimittel). Unter diese Regelung fielen allerdings nicht Arzneimittel mit dem Wirkstoff Semaglutid, die nicht zur Gewichtsregulierung zugelassen sind und bei anderen Indikationen wie Diabetes mellitus Typ 2 angewendet werden.

Angesichts der Schubkraft, die die Umsatztreiber für die Hersteller und deren Standorte hätten, scheint das letzte Wort aber noch nicht gesprochen zu sein, denn wie das »Handelsblatt« analysierte, würde eine Erstattung durch die Kassen für die Hersteller einen »Durchbruch« bedeuten – ein auch politisch gewichtiges Argument, das Fürsprecher der Erstattung auf den Plan ruft.

So forderte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Andrew Ullmann, gegenüber der Zeitung: »Abnehmspritzen sollten nicht als Lifestyle-Medikament betrachtet werden, sondern als Teil eines umfassenden Ansatzes zur Behandlung schwerer Adipositas und zur Verhinderung ihrer Folgeerkrankungen.« Die Kassen sollten die Kosten dann übernehmen, »wenn die Effektivität und Sicherheit des Mittels belegt sind und es im Rahmen der ärztlichen Behandlung verschrieben wird«, so Ullmann.

Zur PZ sagte Ullmann: »Wir sollten vermeiden, dass Ärztinnen und Ärzte im Rahmen ihrer therapeutischen Freiheit auf innovative Therapeutika verzichten müssen, nur weil diese als Lifestyle-Produkt klassifiziert sind.« Die Vermeidung von Folgeerkrankungen sei ein entscheidender präventiver Effekt, der am Ende auch zu Kosteneinsparungen im System führe. »Wir müssen allerdings auch darauf achten, dass ein Rahmen gegeben ist, der einen Missbrauch zulasten der Versichertengemeinschaft ausschließt.«

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