Etwa acht unkomplizierte Atemwegsinfekte pro Jahr in den ersten zwei Lebensjahren gelten als normaler Durchschnitt. Dank der RSV-Immunisierung von Säuglingen vor ihrer ersten Erkältungssaison beziehungsweise Neugeborenen im Herbst/Winter ist die Zahl der gemeldeten RSV-Fälle deutlich gesunken – vor allem kommt es zu weniger Krankenhauseinweisungen. / © Getty Images/Maskot
Die RSV-Welle hat in Deutschland begonnen. Den Beginn datiert das Robert-Koch-Institut (RKI) seiner Definition zufolge rückblickend auf die Woche ab dem 5. Januar, wie es im aktuellen Bericht zu akuten Atemwegserkrankungen heißt. RSV steht für Respiratorisches Synzytial-Virus und ist ein weit verbreiteter Erreger von Atemwegsinfektionen.
Die an das RKI gemeldeten RSV-Fälle sind seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. In der Woche zwischen dem 5. und 11. Januar waren es noch rund 1670, vergangene Woche schon 2675. Es gab 31 Todesfälle mit laborbestätigter RSV-Infektion.
Die aktuellen Werte können sich durch später eingehende Meldungen noch ändern. Da insgesamt nur noch selten getestet wird, geben Messungen im Abwasser wichtige Hinweise. Und auch dort zeigt sich: Die im Abwasser gemessene RSV-Viruslast ist laut RKI in den vergangenen Wochen sichtbar nach oben gegangen.
Tests aus Arztpraxen, die regelmäßig Patientenproben an das RKI senden, haben ergeben, dass RSV zuletzt vorwiegend bei Säuglingen und Kindern im Alter von 0 bis 4 Jahren nachgewiesen wurde. Aber auch in anderen Altersgruppen gab es Nachweise.
»Ja, die RSV-Fälle nehmen sehr stark zu«, sagt Jakob Maske, Kinderarzt in Berlin und Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ), der Deutschen Presse-Agentur. Sorge mache ihm das aber nicht, denn: »Wir sehen kaum noch Kinder, die schwer mit RSV erkrankt sind und auf die Intensivstationen kommen.« Das sei ein großer Erfolg und Folge der passiven Impfung, die die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2024 für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt.
Vor allem für Babys bis zu einem Alter von zwölf Monaten kann eine RSV-Erkrankung gefährlich werden und schwere Atemwegsinfektionen zur Folge haben. Doch seit der Einführung des Antikörpers Nirsevimab (Beyfortus®) zur passiven Immunisierung haben sich die Fälle bei Säuglingen halbiert, wie eine Analyse von RKI-Experten ergab, die im August 2025 veröffentlicht wurde.
Insgesamt wurden in dieser Saison bislang 10.936 RSV-Fälle übermittelt. Zum Vergleich: In der Vorsaison waren es zu diesem Zeitpunkt 11.282 übermittelte Fälle, in der Saison 2023/2024 dagegen 30.691 Fälle.
Das Präparat kam im September 2023 in Deutschland auf den Markt und wird seit Juni 2024 von der STIKO für alle Säuglinge empfohlen. Neugeborene und Säuglinge sind vor allem in den ersten sechs Lebensmonaten besonders gefährdet, schwer an RSV zu erkranken. Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen Nirsevimab möglichst im Herbst vor Beginn ihrer ersten RSV-Saison erhalten. Neugeborene, die während der RSV-Saison geboren werden, sollen Nirsevimab möglichst rasch nach der Geburt bekommen, idealerweise bei Entlassung aus der Geburtseinrichtung.