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Pharma Trends 2026
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Redcare-Chef: dm plant Vor-Ort-Apotheke

Bei der Jahrestagung Pharma Trends 2026 haben sich Redcare-CEO Olaf Heinrich und Hamburgs Kammerpräsident Holger Gnekow einen Schlagabtausch geliefert. Heinrich stellte zudem Mutmaßungen über die Pläne von dm & Co. an. Die Versender selbst seien hingegen »nicht im Ansatz eine Gefahr« für die Apotheke vor Ort. Gnekow skizzierte die künftige Rolle der Apotheken.
AutorKontaktCornelia Dölger
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 01.12.2025  16:06 Uhr

Rolle der Apotheken auch bei der Notfallversorgung

Gnekow adressierte auch die Schmerzpunkte im Apothekenalltag – etwa die zunehmende Zahl der Hochpreiser, die das Zeug hätten, das Gesundheitssystem »zu sprengen«. Mehr Adhärenz sei der Schlüssel, um Kosten zu senken – die Apotheken könnten bei der richtigen Anwendung unterstützen.

Niedrigschwellige Gesundheitsangebote mit assistierter Telemedizin seien auch bei der Notfallversorgung eine gute Kombination. Um anhaltenden Lieferengpässen zu begegnen, sollten Apotheken ihre Warenlager öffnen und sich über die Verfügbarkeit vernetzen, appellierte der Kammerpräsident.

Der dritte Impuls kam von Olaf Heinrich, CEO von Shop Apotheke. Er warb für eine Dualität von Versand und Vor-Ort-Apotheke. Die Versender hätten nach 20 Jahren 25 Prozent vom Gesamtmarkt, aber im Rx-Markt lägen sie bei unter 2 Prozent. »Wir sind nicht im Ansatz eine Gefahr«, so Heinrich.

Der CEO glaubt, dass eine flächendeckende Versorgung auch mit 10.000 Apotheken noch sichergestellt werden könne. Im Bundesgesundheitsministerium (BMG) gebe es sogar Studien, dass 1700 Apotheken reichen würden.

Heinrich: »Die ABDA quält die Menschen in die Apotheken«

Ein Anhebung des Fixums ist aus Heinrichs Sicht nicht die Lösung. Die Apotheken, die verschwinden, hätten meist ohnehin kein nennenswertes Geschäft mehr. »Da hilft es nichts, für das nicht vorhandene Rezept das Fixum anzuheben«, so Heinrich. Stattdessen warb er für die PTA-Vertretung: »Was uns helfen würde, wenn wir mit der ›Apotheke light‹ die Kosten etwas runterkriegen könnten.«

Der Redcare-CEO bezeichnete es als »schade«, dass die Marktliberalisierung in der Hauptsache durch Gerichtsverfahren passiere. Bekanntlich landen Shop Apotheke & Co. regelmäßig mit ihren Bonusmodellen vor Gericht. Es gebe nun einmal einen gemeinsamen Wirtschaftsraum in der EU. Es brauche angesichts der »Vorwärtsthemen« wie KI mehr Know-how, größere Einheiten, mehr Volumen. »Wir müssen aus den Formaten etwas machen«, so Heinrich.

Er sieht dm und andere Player in den Startlöchern, um selbst Apotheken zu betreiben. Angesichts von rund 2000 Standorten in Deutschland sieht er »Apothekenecken« in den Drogeriemärkten heraufziehen. Für ihn ist klar, dass die Regulierung aufgebrochen werden muss. Vielleicht nicht sofort, indem man das Fremdbesitzverbot »abräumt«. Aber man müsse davon wegkommen, stets nur auf Absicherung zu setzen. 

Heinrich nimmt im System zu viele »Verharrungskräfte« wahr, er wünsche sich mehr Flexibilität von der ABDA, betonte er. Das Festhalten an der Arzneimittelpreisverordnung etwa bringe nichts. Die flächendeckende Versorgung sei dadurch nicht sichergestellt, obwohl dies die eigentliche Aufgabe der Regelung sei.

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