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Deutsche Aidshilfe
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»Rassismus ist im deutschen Gesundheitswesen Alltag«

Anlässlich der internationalen Wochen gegen Rassismus vom 20. März bis zum 2. April weist die Deutsche Aidshilfe (DAH) auf die Folgen von Rassismus und HIV-bezogener Diskriminierung im deutschen Gesundheitswesen hin.
AutorKontaktCarolin Lang
Datum 28.03.2023  09:00 Uhr

HIV-bezogene und mehrdimensionale Diskriminierung

In der Studie »positive stimmen 2.0« der Deutschen Aidshilfe und des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft wurden Menschen zu HIV-bezogener Diskriminierung befragt. Die zentrale Erkenntnis ist laut DAH, dass die Lebensqualität von Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben, heute vor allem durch Vorurteile und Diskriminierung und nicht durch die Infektion selbst eingeschränkt werde.

Von 935 Befragten mit einer HIV-Infektion gaben 56 Prozent an, in den zwölf Monaten vor der Befragung aufgrund der Infektion im Gesundheitswesen eine negative Erfahrung gemacht zu haben. Diese reichten von verweigerten Behandlungsleistungen über unangebrachte Fragen bis hin zur Offenlegung ihrer Infektion gegenüber Dritten.

Rassistische Benachteiligung und Diskriminierung wegen HIV seien häufig miteinander verwoben und ließen sich nur schwer auseinanderhalten, informiert die DAH weiter. So erlebten viele People of Color in Deutschland mehrfache Diskriminierung, wenn sie HIV-positiv seien. »Viele fragen mich ganz direkt nach HIV, weil ich schwarz bin«, sagte laut DAH etwa eine Person in einem Interview der »positiven stimmen 2.0«. Eine andere sagte: »Es ist immer schwierig zu erkennen, warum ich diskriminiert werde. Im Verlauf des Interviews wurde mir klar, dass ich am meisten Diskriminierung wegen meiner Hautfarbe erlebe. Das sehen die Menschen sofort, HIV nicht.«

Forderungen der DAH

Die DAH fordert, Sensibilisierung für das Problem, konkrete Gegenmaßnahmen sowie Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Menschen. Neben Maßnahmen gegen Rassismus in unserer Gesellschaft allgemein hält sie mitunter den Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung mit rassismussensiblen Therapeuten, höhere Kapazitäten für Übersetzung und Sprachmittlung, Beschwerdestellen und Hilfsangebote sowie mehr Forschung zu Rassismus allgemein und im Gesundheitswesen für notwendig.

»Das Ziel muss eine verlässlich diskriminierungsfreie Versorgung für alle sein«, betont Beck abschließend. »Kein Mensch darf von Gesundheit ausgeschlossen werden, kein Mensch darf Diskriminierung wegen seiner Hautfarbe oder einer HIV-Infektion fürchten müssen, wenn er medizinische Hilfe braucht.«

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