| Annette Rößler |
| 13.04.2026 08:00 Uhr |
Vom Rauchen loszukommen, kann sehr schwierig sein. Eine Pilotstudie deutet nun darauf hin, dass eine Anwendung des Psychedelikums Psilocybin die Erfolgsquote erhöhen kann. / © Getty Images/urbazon
Psychedelika wie Psilocybin werden zurzeit in klinischen Studien als Mittel zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen wie Depression getestet. Aus früheren Untersuchungen gibt es Hinweise, dass die Substanzen auch bei Patienten mit Suchterkrankungen wie Alkohol- und Opioidabhängigkeit hilfreich sein könnten. Epidemiologische Daten zeigen zudem, dass Konsumenten von Psychedelika weniger rauchen als Menschen, die diese Substanzen nicht konsumieren.
Ein Team um Dr. Matthew W. Johnson von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore testete daher nun die Wirksamkeit von Psilocybin zur Raucherentwöhnung im Vergleich zu Nikotinpflastern. An der offenen, randomisierten Studie nahmen 82 psychisch gesunde Raucherinnen und Raucher (Durchschnittsalter 48 Jahre, Frauenanteil 40 Prozent) teil. Alle Probanden erhielten über 13 Wochen eine auf Tabakabstinenz abzielende kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Nach der vierten Woche wurden 42 Teilnehmende einmalig mit Psilocybin (30 mg/70 kg Körpergewicht) behandelt, während 40 eine acht- bis zehnwöchige Therapie mit einem Nikotinpflaster-Präparat begannen.
Die Probanden in der Psilocybin-Gruppe wurden in der Therapie dazu ermutigt, die psychedelische Erfahrung als Gelegenheit zur Reflektion über die Rolle des Rauchens in ihrem Leben und als Motivationsverstärkung zum Aufhören zu sehen. Die Anwendung des Psychedelikums selbst fand in Begleitung des Therapeuten statt. Die Probanden trugen dabei eine Augenmaske und hörten Musik. Die Probanden in der Nikotinpflaster-Gruppe hatten die Gelegenheit, nach Ende der Studie ebenfalls eine Dosis Psilocybin zu erhalten.
Wie die Forschenden im Fachjournal »JAMA Network« berichten, blieben 68 Teilnehmende bis zum Ende des sechsmonatigen Follow-ups dabei. Zu diesem Zeitpunkt waren 17 Probanden aus der Psilocybin-Gruppe (40,5 Prozent), aber nur vier aus der Nikotinpflaster-Gruppe (10,0 Prozent) dauerhaft rauchfrei, was durch eine Analyse der Atemluft sowie des Urins verifiziert wurde. Schwerwiegende Nebenwirkungen gab es keine.
Psilocybin zusammen mit KVT sei in dieser Pilotstudie zur Raucherentwöhnung signifikant besser wirksam gewesen als Nikotinpflaster plus KVT, fassen die Forschenden zusammen. Die Abstinenzrate nach Anwendung des Psychedelikums sei zudem deutlich höher gewesen als bei den üblichen Verfahren. Dies deute auf ein großes Potenzial des Medikaments in der Behandlung der Tabakabhängigkeit hin.