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BMC-Kongress
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Primärversorgung: Lotsenfunktion von Apotheken

Die Apotheker- und Ärzteschaft diskutierte auf dem BMC-Kongress in Berlin über ein neues Primärversorgungsmodell. ABDA-Vizepräsidentin Ina Lucas betonte, dass Apotheken in diesem System mitgedacht werden müssten. »Patientenzentrierung und -orientierung« müsse im Mittelpunkt stehen.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 28.01.2026  11:30 Uhr

»Neustrukturierung der Versorgung insgesamt«

Matthias Mohrmann von der AOK Rheinland/Hamburg sprach davon, Primärversorgung sei mehr als ein »Hausarztmodell«. Es sei eine »Neustrukturierung der Versorgung insgesamt«. Seine These: »Ohne Einschränkung der Autonomie gibt es keine wirksame Primärversorgung.« Es gehe um Entscheidungskompetenz im Team und die Umsetzung einer kollektiven Regelversorgung. Laut Mohrmann braucht es ein Primärversorgungssystem, um die Aufgabenteilung zwischen Haus- und Facharztpraxen, aber auch zwischen den weiteren Gesundheitsprofessionen neu zu ordnen. Erforderlich sei nicht nur eine Zugangssteuerung, sondern auch eine gezielte Steuerung der Patientinnen und Patienten in der Behandlung anhand des medizinischen Bedarfs. 

Der Apotheker müsse in einem Primärversorgungsmodell seine »Grenzen erkennen«, sagte er. »Und das Vertrauen darin, dass die Grenzen erkannt werden, muss natürlich irgendwie auch da sein. Dass er dann abgibt an die nächste Profession.« Wichtig sei es, ins Handeln: »Wie kommen wir von heute ins Morgen?« 

Erforderliche Änderungen für ein wirksames Primärversorgungsmodell seien eine Reform des Vergütungsmodells, interprofessionalle Praxisteams, digitale Lösungen der Patientensteuerung und ein neues Rollenverständnis der ärztlichen Versorgungsebenen.

Mohrmann betonte: »Ein verlässlicher Zugang zur Versorgung ist demokratierelevant, weil er zur gesellschaftlichen Stabilität beiträgt. Wir haben unser Versorgungssystem geschaffen, also können wir es auch ändern.« Unzufriedenheit in grundlegenden Fragen der Existenz sei der Treibstoff des Populismus. 

»Der Patient, der keine Kontakte im Gesundheitssystem hat, braucht vernünftige Orientierung«, sagte er. Die Professionen müssten an einem Tisch sitzen und zusammenarbeiten. Es müsse geklärt werden: »Wer muss was machen an welcher Stelle?«. Um diese Veränderungen anzustoßen, müsse die Politik auch immer wieder miteinbezogen werden.

Vergütungssystem neu denken

In Bezug auf Primärversorgung sei es wichtig, das Vergütungssystem neu zu denken, betonte Anke Richter-Scheer von der KV Westfalen-Lippe. Versorgung dürfe nicht mehr arztbezogen funktionieren, sondern es brauche ein Team mit verschiedenen Qualifikationen:« Damit werden wir auch effizienter in der Therapie«, so Richter-Scheer. Es sei eine Transformation bei den Hausärzten nötig: Es brauche eine Steuerungsfunktion und es müsse die Frage geklärt werden, wann der Hausarzt den Patienten abgeben muss.

Auch die Zusammenarbeit mit den Apotheken vor Ort sei in diesem Zusammenhang für die Ärzteschaft wichtig: »Ich möchte nicht ohne sie sein.« Optimale Patientenversorgung setze voraus, dass alle Professionen konkurrenzlos und ohne Kompetenzgerangel zusammenarbeiten, im Zusammenhang mit einer ehrlichen Finanzierung. »Ich denke schon, wie müssen davon wegkommen, uns in unserer eigenen Berufsgruppe aufzuhalten, wir müssen uns ausdehnen und allen anderen Berufsgruppen genauso viele Rechte zuschreiben, wie uns selbst.«

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