| Melanie Höhn |
| 28.01.2026 11:30 Uhr |
ABDA-Vizepräsidentin und Präsidentin der Apothekerkammer Berlin Ina Lucas (Mitte) diskutierte auf dem BMC-Kongress über ein neues Primärversorgungsmodell. / © PZ/Höhn
Bei der Diskussion um das Thema Primärversorgung müsse der Patient in den Mittelpunkt gerückt werden, forderte Lucas. Bisher sei dies nicht der Fall: »Wir haben uns mit unseren Berufsständen und unseren Sektoren beschäftigt und dachten, irgendwie wird es schon werden, wenn wir nur daran festhalten.«
Bei allem Mangel an Ressourcen und Fachkräften sei es die Verantwortung der Leistungserbringer, Angebote in einem Gesundheitssystem zu definieren. »Das geht nur ohne Kompetenzgerangel und miteinander: Dass wir uns wirklich ernst nehmen und uns auch etwas zutrauen. Wir können auch Kompetenzen erwerben, von denen wir heute noch nicht wissen, dass sie notwendig sind, aber der Patient sie sich wünscht. Und deswegen sage ich: `Patientenzentrierung und -orientierung first´«, so Lucas.
Es sei »richtig und wichtig«, dass der Patient den Leistungserbringern sage, was er möchte: »Der Patient ist gern auch in einer Apotheke. Das kann ich Ihnen aus der Praxis berichten.« Lucas führte weiter aus: »Warum ist das so? Weil wir zuhören. Wir haben Kontaktpunkte zu Menschen, sie wollen sich angenommen, angehört fühlen, niedrigschwellige Zugänge, eine Koordination erfahren.« Genau an dieser Stelle sei die Lotsenfunktion der Apothekerinnen und Apotheker wichtig.
»Wir kommen aus einer Arzneimittelzentrierung. Das war unsere Rolle, die war so vorgesehen. Aber wir können eben sehr viel mehr. In der Primärversorgung findet ganz viel mehr statt, als nur das bloße Arzneimittel und die Erklärung dazu. Wir haben auch Präventionsstrategien, Screening-Möglichkeiten, Monitorings. Das ist alles im Sinne der ärztlichen Kompetenzen«, erklärte Lucas weiter. Diese Kompetenzen seien kostbar und müssten von der Apothekerschaft auch wertgeschätzt und beschützt werden – »zum Wohle der Patientinnen und Patienten«.
Dennoch wolle Lucas eine Lanze dafür brechen, nicht immer zu versuchen, nur Strukturen neu zu denken, sondern auch Strukturen mitzunehmen, die schon da seien. »Da ist zum Beispiel die Apotheke, die gibt es schon.« Es gehe darum, Zugangs- und Andockpunkte zu schaffen. »Es gibt noch 16.600 Apotheken, ich kämpfe jeden Tag dafür, dass das möglichst so bleibt.« Die Fachkräfte in den Apotheken seien gut ausgebildet: »Die werfen sich rein, die wollen die Mehrversorgung mitgestalten. Deswegen sage ich an der Stelle, unbedingt diese Strukturen, die wir haben, mitdenken und auch direkt adressieren.«