| Alexandra Amanatidou |
| 15.10.2026 08:30 Uhr |
Heute fand die Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestags zum Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDiG) statt. Auch ABDA-Präsident Thomas Preis nahm daran teil. / © Alois Müller
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Die ABDA plädiert dafür, dass die Rezeptfachdienste technisch und formal einen Filter haben, der nur ordnungsgemäße Verschreibungen durchkommen lässt. Fehlerhafte Rezepte sollten gar nicht erst ins System gelassen werden, so Preis. Apotheken sowie Patientinnen und Patienten müssten sich darauf verlassen können, dass die abgerufenen E-Rezepte korrekt seien und dass die Abgabe mit der nötigen Sicherheit und Verlässlichkeit problemlos funktioniere. Auch die Abrechnung solle problemlos möglich sein.
Änderungsbedarf sieht der ABDA-Präsident auch bei der elektronischen Patientenakte (ePA). Derzeit könnten Apotheken nur geringfügige Fehler in der ePA ändern – und auch das nur in Absprache mit der Arztpraxis. »Das ist ein unnötiger bürokratischer Aufwand«, so Preis.
Annette Rennert, Fachärztin für Allgemeinmedizin, ist überzeugt, dass das E-Rezept einen Mehrwert für Praxen und Apotheken schafft, da es einfach zu nutzen ist. »Wenn Anwendungen gut und einfach gestaltet sind, werden sie auch in der breiten Menge angenommen und genutzt.«
Benedikt Bühler, Vorsitzender des Verbands Innovativer Apotheken, kritisierte die Datenstruktur beim E-Rezept. »Wir sehen es unfassbar kritisch, dass hier reingeschrieben werden kann, wie man möchte.« Dies würde die Verwendung von strukturierten Daten erschweren. Hier hätte er sich mehr Zusammenarbeit von den Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen gewünscht.
Als besseren Schutz vor Retaxationen fordert Bühler Echtzeitdaten der Krankenkassen in den Apotheken. »Wenn wir die elektronische Karte stecken, kommunizieren wir mit dem Fachdienst und den Servern der Krankenkassen«, erklärte Bühler. Beim Austausch von Echtzeitdaten könne erkennbar sein, ob die Person bei der Krankenkasse versichert ist und ob sie von der gesetzlichen Zuzahlung befreit ist. Diese Informationen seien momentan nicht sichtbar.
Einen großen Teil in der Diskussion nahmen die Verbesserungsmöglichkeiten der ePA ein. Für Florian Hartge von der Gematik stellt es eine Herausforderung dar, dass Apotheken- und Praxisverwaltungssysteme relativ lange benötigen, um die ePA-Funktion umzusetzen. Dies will er mit einem TI-Plattform-Konzept verbessern. Die Plattform solle eine Betriebssteigerung und eine höhere Geschwindigkeit ermöglichen. »Durch die Umstellung soll die Nutzung schneller, einfacher und praktischer werden«, so Hartge. Wann die Plattform aufgebaut werden soll, konnte er nicht sagen.
Für den Hausarzt Jonas Fröhlich sind eine Volltextsuche auf der ePA sowie standardisierte Laborbefunde nötig. Diese sollen die aktuellen PDFs ersetzen. Als Problem sieht er auch, dass Privatversicherte keine ePA haben. Für Florian Reuther vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) ist es dringend erforderlich, dass die Elemente für die Privatversicherten umgesetzt werden, damit auch sie die ePA nutzen können.
Um mehr Menschen zur Nutzung der ePA zu motivieren, sollten laut dem Vertreter des Verbraucherzentrale Bundesverbands mehr Angebote geschaffen werden, etwa in Apotheken, sowie längere Support-Zeiträume. Auch die Desktop-Version müsse seiner Meinung nach stärker ausgerollt werden.
Thilo Weichert, Jurist und Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Datenschutz, machte auf die Gefahr der Weiterleitung und Verwendung von Daten aufmerksam. Dadurch sei das Vertrauen zwischen der Ärzteschaft und den Patienten gefährdet.
Auch André Byrla vom Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (Spifa) warnte vor einem »eklatanten Widerspruch zu einer guten Versorgung«. Dieser entstünde, wenn sich Patientinnen und Patienten sowie die Ärzteschaft beim Gespräch zurückhalten würden, aus Angst, dass alles dokumentiert werden könnte. Er betonte, dass es sich dabei um Daten aus der Intimsphäre handelt.
Das Papier-Rezept ist ein Auslaufmodell. Mit dem E-Rezept sollen alle Arzneimittel-Verordnungen über die Telematikinfrastruktur abgewickelt werden. Wir berichten über alle Entwicklungen bei der Einführung des E-Rezeptes. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite E-Rezept.