| Daniela Hüttemann |
| 19.06.2026 13:30 Uhr |
An die Medikamente gedacht? In einer Studie gaben 17 Prozent der Befragten an, dass jemand sie jeden Tag an die Anwendung ihrer Medikamente erinnert. 10 Prozent wünschen sich eine Erinnerung. / © Getty Images/Maskot
»Die selbstständige Anwendung von Medikamenten ist komplex und benötigt kognitive und physische Fertigkeiten, die mit dem Alter abnehmen«, heißt es in einer neuen Publikation aus der hausärztlichen Versorgung von Menschen mit Polymedikation. Befragt wurden 102 Patientinnen und Patienten ab einem Alter von 70 Jahren (39 Prozent Männer), die mindestens fünf Medikamente eigenständig einnahmen. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachjournal »Frontiers of Public Health« erschienen.
Das interdisziplinäre Autorenteam besteht aus Forschenden der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, des Uniklinikums Essen sowie des Uniklinikums Düsseldorf, Erstautorin ist die Apothekerin Dr. Anneke Lügering von der Apotheke des Uniklinikums Düsseldorf. Genutzt wurde ein Fragebogen mit 30 Fragen zu Adhärenz, Handhabung sowie Einstellung und Wissen zu den Medikamenten, der zuvor im Krankenhaussetting entwickelt wurde (ABLYMED-Studie – Ability to Self-administer Medication in Non-demented In-hospital Patients). 89 Prozent hatten einen Medikationsplan von ihrem Hausarzt erhalten. 85 Prozent gaben an, ihre Medikation gut zu vertragen.
Insgesamt berichteten bis zu 40 Prozent von Schwierigkeiten, die relevant für die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sein können. 32 Prozent bejahten, dass ihnen ein Austausch gegen das Präparat einer anderen Firma durch die Apotheke schon einmal Probleme bereitet hätte. Jeder Fünfte gab an, dass ihm schon einmal ein Medikament ausgegangen war. 5 Prozent hatten schon einmal Medikamente verwechselt. 50 Prozent gaben an, die Anwendung nie zu vergessen, 41 Prozent, dies passiere nur selten. Immerhin hielten sich die Patienten fast immer an die verordnete Dosierung und setzten die Therapie nicht eigenmächtig aus.
Ebenfalls knapp jeder Fünfte hatte schon einmal Schwierigkeiten beim Öffnen von Medikamentenpackungen. Am herausforderndsten war der Umgang mit Augentropfen: 40 Prozent der Befragten berichteten hier von Schwierigkeiten. Auch Tropfen (17 Prozent) und Pens (14 Prozent) bereiteten hin und wieder Probleme.
»Gleichzeitig zeigte die Studie, dass die meisten Befragten den Nutzen ihrer Medikamente positiv bewerteten und deren Zweck kannten«, berichtet Koautorin Dr. Janine Gronewold, Diplom-Psychologin an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen. »Die beobachteten Schwierigkeiten scheinen daher weniger auf mangelnde Motivation als auf praktische Hürden im Alltag zurückzuführen zu sein.«
In der Studie wurde aktiv nach Anwendungsproblemen gefragt. Die Autoren sind der Meinung, dass Probleme bei der Medikamentenanwendung in der hausärztlichen Versorgung häufiger erkannt und gezielt adressiert werden sollten. Konkrete Lösungsvorschläge nennen sie jedoch nicht. Zukünftige Studien sollten sich auf die Umsetzung und Bewertung von Maßnahmen für Patienten konzentrieren, die von Problemen bei der Medikamenteneinnahme berichten.