| Ev Tebroke |
| 16.03.2026 11:30 Uhr |
Was die im ApoVWG angedachte PTA-Vertretung und die erleichterte Gründung von Zweigapotheken betrifft, so erneuerte Donner die Kritik an diesen Punkten. Beide Maßnahmen führten dazu, die Versorgung durch öffentliche Apotheken letztlich auszuhöhlen. Denn wenn etwa für das Betreiben einer Apotheke nicht mehr zwingend ein Apotheker oder eine Apothekerin vor Ort sein müssen, falle der ordnungspolitische Schutzzaun gegenüber dem Fremd- und Mehrbesitzverbot. Auch seien weitere Zweigapotheken nicht notwendig, denn schon jetzt gebe das Apothekengesetz den Kommunen die Möglichkeit, bei Versorgungsmangel eine Notfallapotheke zu ermöglichen.
Zufrieden zeigt man sich in Sachsen mit den im Gesetz geplanten Erweiterung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) und dem Vorhaben, die Apotheken bei der Primärversorgung stärker einzubinden – als Partner in einem heilberuflichen Netzwerk. Mit Blick etwa auf die angedachte Ausweitung des Impfangebots in Apotheken sowie der partiellen Abgabe von Rx-Medikamenten ohne Verschreibung, sagte Donner: »Apotheken können als verlässlich Partner helfen, die Ärzte zu entlasten und dazu beitragen, dem Gesundheitssystem Kosten zu sparen.« Beim Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) etwa hätten die Apotheken eine Schlüsselrolle.
Sein Fazit zum Gesetzesvorhaben: »Das ApoVWG hat hinsichtlich der Honorierung Lücken und teilweise schießt es über das Ziel hinaus. Aber es enthält auch viele gute Neuerungen.« Sein Appell an die Vertreterinnen und Vertreter von Politik und Kassen: »Nehmen Sie unsere Bedenken hinsichtlich der Struktur ernst. Setzen Sie unsere Honorarforderungen um und nutzen Sie die skizzierten Möglichkeiten, die Versorgung zu verbessern.« An die Ärzteschaft gewandt, warb Donner um gegenseitigen Austausch. Man wolle sich nicht in ärztliche Kompetenzen einmischen. Ziel sei es, die Versorgung in der Fläche für die Patientinnen und Patienten zu verbessern.
In den anschließenden Grußworten der Politik gab es viel positives Feedback, die Kritikpunkte der Apothekerschaft stoßen auf offene Ohren. Als Vertreterin des Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt sprach Staatssekretärin Dagmar Neukirch. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hatte kurzfristig aus Termingründen absagen müssen.
»Die Bedingungen für Apotheken sind so belastend wie selten zuvor«, so Neukirch. Sachsen setze sich über den Bundesrat explizit für eine höhere Honorierung ein. Um die flächendeckende Versorgung aufrecht zu erhalten ginge es auch darum, Partner zu suchen, anzuerkennen, dass beide Seiten eine Lösung finden möchten. Sachsen sei da ein gutes Beispiel für Zusammenhalt und Kooperationen.
Andreas Dierks (CDU), Präsident des Sächsischen Landtags, unterstrich die Solidarität des Sächsischen Landtags für die zuvor geäußerten Forderungen der Apotheker. Der Landtag setzt sich für bessere strukturelle Rahmenbedingungen ein. Demnach hat der Landtag jüngst dem Apotheken-Antrag der Linken »Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln in Sachsen spürbar stärken und ausbauen – Apothekensterben endlich aktiv begegnen« zugestimmt. Die Koalition aus SPD und CDU hatte dazu einen umfassenden Änderungsantrag eingebracht, der am Montag im Ausschuss für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (ASG) im Sächsischen Landtag beschlossen worden ist.
Rico Gebhardt, der stellvertretend für die Fraktionsvorsitzende Susanne Scharper zu den Anwesenden sprach, betonte, die Linke habe sich kompromissbereit gezeigt und sei von ihrer Forderung einer Fixumserhöhung auf 12 Euro mit Dynamisierung auf die Position der CDU von 9,50 Eiro ohne Dynamisierung eingeschwenkt. Nun ist der Antrag also vom Landtag beschlossen und soll auf Bundesebene Impulse setzen.
Der Generalsekretär der CDU Sachsen, Tom Unger, lobte die erfolgreiche Kompromissfindung. Er betonte zudem: »Das Fixum muss 2026 kommen!« Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sei offen dafür. Was den Strukturerhalt betreffe, so gebe es nicht die eine Masterlösung. Sondern es brauche viele kleine Puzzlesteine. Als Beispiel führt Unger eine Landapothekerquote an. Eine solche werde in Mecklenburg-Vorpommern gerade auf den Weg gebracht.
Auch die Grünen in Sachsen haben einen Antrag zur Arzneimittelversorgung eingebracht: »Zielbild Arzneimittelversorgung 2030 – Stärkung der Apotheken als der zentralen Säule der wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Sachsen«. Thomas Löser, Landtagsabgeordneter (Bündnis90/Grüne) und Mitglied im Ausschuss für Infrastruktur und Landesentwicklung sieht diesen Antrag als Ergänzung zu dem der Linken. Unter anderem gehe es darin um die Weiterentwicklung der Apotheken und ihre Zuschreibung als kompetente Dienstleister. Er betonte, die Grünen hätten immer ein offenes Ohr für die Apotheken in Sachsen.
Göran Donner dankte den politischen Vertreterinnen und Vertretern und schloss: »Wir werden Sie beim Wort nehmen.«