Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Europa
-
Polioviren im Abwasser weit verbreitet

Nicht nur in mehreren deutschen Städten sind Polioviren in Abwasserproben entdeckt worden, auch international findet man sie vermehrt. Prinzipiell gibt es zwei Quellen: Infizierte Personen oder Personen, die eine Polio-Schluckimpfung erhalten haben. Da Schluckimpfungen in den entwickelten Ländern nicht mehr zum Einsatz kommen, ist der Nachweis dieser pathogenen Viren nicht harmlos.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 16.12.2024  15:00 Uhr
Polioviren im Abwasser erstmals in Spanien entdeckt

Polioviren im Abwasser erstmals in Spanien entdeckt

Erstmals fiel das Virus in einer Routine-Abwasserprobe in Barcelona auf. Danach wurden Befunde aus Warschau und schließlich aus vielen deutschen Städten, darunter München, Köln, Bonn und Hamburg, Dresden, Düsseldorf und Mainz, gemeldet. Auch die englischen Städte Leeds, London und West Sussex sowie das finnische Tampere meldeten zwischenzeitlich positive Probenbefunde. Bei allen Nachweisen handelt es sich um zirkulierende Impfstoff-abgeleitete Polioviren (cVDPV) Typ 2.

Besonders die vielen positiven Proben in Deutschland beunruhigen. Lässt sich daraus schließen, dass das Virus lokal übertragen wird? Denkbar wäre das, denn der hier eingesetzte inaktivierte Polio-Impfstoff (IPV) schützt zwar vor den mit der Infektion assoziierten Lähmungen, nicht aber zwingend vor einer Infektion. So können auch geimpfte Menschen das Virus bei einer Infektion übertragen, da es über den Stuhl ausgeschieden wird.

Gegen diese naheliegende Überlegung spricht allerdings, dass die hier analysierten Isolate enger mit denen aus Spanien und Polen verwandt sind als untereinander. So schließt auch Huseynov, dass man eine lokale Übertragung in Deutschland weder bestätigen noch ausschließen könne. Nach seiner Meinung müsse man wohl davon ausgehen, dass das Virus mehrfach gleichzeitig nach Europa eingeschleppt wurde.

Noch gibt es keinen Anlass, übermäßig besorgt zu sein. Angemessen sind Aufrufe der Ständigen Impfkommission (STIKO), dass jeder in Deutschland seinen Impfstatus überprüfen solle und gegebenenfalls eine Impflücke schließen solle. Vor allem sollten Eltern den Impfstatus ihrer Kinder prüfen.

Das ECDC ruft dringend dazu auf, die Verbreitung dieser Viren fortgesetzt zu überwachen und hohe Impfraten aufrechtzuerhalten. Folge man diesen Empfehlungen, gehen Experten davon aus, dass das Virus wohl bald wieder verschwinden werde.

Mehr von Avoxa