Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Impfquote hoch halten
-
Polioviren im Abwasser deutscher Städte gefunden

Polio gilt als nahezu ausgerottet. Doch zuletzt kam es vermehrt zu Nachweisen des Erregers auch in reicheren Ländern mit hoher Impfquote, jetzt auch in Deutschland. Vermutlich sind es ausgeschiedene Lebendviren nach Schluckimpfung.
AutorKontaktdpa
Datum 29.11.2024  12:00 Uhr
Polioviren im Abwasser deutscher Städte gefunden

In Proben aus dem Abwasser vier deutscher Städte sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) Polioviren nachgewiesen worden. Betroffen seien München, Bonn, Köln und Hamburg. Bisher wurden keine Polio-Verdachtsfälle oder -Erkrankungen an das Bundesinstitut übermittelt. Bei den gefundenen Erregern handelt es sich demnach nicht um den Wildtyp des Poliovirus, sondern um Viren, die auf die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung mit abgeschwächten, aber lebenden Polio-Erregern zurückgehen.

Die gefundenen Erreger stammen wahrscheinlich von Menschen, die in ihrem Land die vor allem in Afrika und Asien noch weit verbreitete Schluckimpfung erhalten haben. Die Viren können von Geimpften bis zu sechs Wochen lang ausgeschieden werden. Das RKI weist darauf hin, dass hierzulande bei anhaltender Zirkulation des Erregers einzelne Erkrankungen unter nicht ausreichend geschützten Menschen möglich sind. Die Wahrscheinlichkeit sei aber aufgrund der allgemein hohen Impfquoten von bundesweit 90 Prozent und guten Hygienebedingungen in Deutschland gering.

Impflücken dringend schließen

Poliomyelitis ist eine hochansteckende Krankheit, die bei nicht ausreichend immunisierten Menschen zu dauerhaften Lähmungen führen kann. Bestehende Impflücken sollten geschlossen werden, rät das RKI. Medizinisches Personal und Mitarbeitende im öffentlichen Gesundheitsdienst sollten jetzt eine erhöhte Wachsamkeit bei Poliomyelitis-typischen Symptomen haben. »Der Nachweis an verschiedenen Orten weist auf eine Zirkulation dieser Viren hin«, hieß es vom RKI.

Die Landesbehörden aller Bundesländer und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seien über die Nachweise informiert worden. Weitere Proben würden derzeit noch untersucht. Auch in Spanien (Barcelona) und Polen (Warschau) sei das Virus kürzlich in Abwasserproben nachgewiesen worden.

Erhält jemand die Schluckimpfung, können sowohl der Impfling selbst als auch Kontaktpersonen in sehr seltenen Fällen an sogenannter Impf-Polio erkranken. Die Symptome sind von Polio durch Wildviren nicht zu unterscheiden. Eine fortlaufende Vermehrung der Impfviren birgt das Risiko, dass der abgeschwächte Erreger sich verändert und das Nervensystem zu infizieren vermag – mit den poliotypischen Lähmungen als mögliche Folge.

Mehr von Avoxa