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Neue Modellrechnung
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Plastik wird uns immer mehr Lebensjahre kosten

Wie wirkt sich Plastik auf die Gesundheit aus, wenn man Herstellung und Transport einbezieht? Es geht wohl ähnlich viel gesunde Lebenszeit weltweit verloren wie durch Asbest oder Radon.
AutorKontaktdpa
Datum 27.01.2026  12:30 Uhr

Vergleichbar mit Radon oder Asbest

»Risikofaktoren, die laut der »Global Burden of Disease«-Studie für das Jahr 2016 eine von der Größenordnung her vergleichbare Krankheitslast aufweisen, wären Radon mit etwa 1,9 Millionen DALY oder die berufsbedingte Belastung mit Asbest in Höhe von etwa 4,2 Millionen DALY«, erklärte Dietrich Plaß vom Umweltbundesamt, selbst nicht an der aktuellen Berechnung beteiligt.

Die wichtigsten gesundheitsschädlichen Auswirkungen sind diesen Daten zufolge globale Erwärmung und Feinstaub, die jeweils etwa ein Drittel der verlorenen gesunden Tage ausmachen. »Der Plastik-Lebenszyklus trägt mit etwa 4,5 Prozent zu den menschengemachten Treibhausgasemissionen bei und ist eine Hauptquelle für luftverschmutzende Partikel«, erklärte Leal. Damit sei sein Klimabeitrag größer als der des globalen Flugverkehrs, der bei etwa zwei Prozent liege.

Effekte noch deutlich unterschätzt?

Das Team um Deeney nimmt an, dass die Zahl verlorener Tage in der Modellierung noch unterschätzt wird, weil gesundheitliche Effekte etwa durch Mikro- und Nanoplastik oder Kontakt mit schädlichen Substanzen bei der Nutzung von Plastikgegenständen nicht einbezogen wurden. Die Datenlage in diesen Bereichen sei bisher zu schwach.

In diesem Fehlen sieht auch HAW-Wissenschaftler Leal eine Einschränkung der Aussagekraft. Die beiden Aspekte wegzulassen, bedeute eine erhebliche Unterschätzung. Auch bei den einbezogenen Aspekten gebe es teils noch große Datenlücken: »Es fehlen Informationen über Abfallmanagement und Emissionen, insbesondere in einkommensschwachen Ländern, was die Modellgenauigkeit beeinträchtigt.«

Auch lasse sich die Giftwirkung vieler freigesetzter Substanzen bisher noch nicht gesichert einschätzen. »Die Ergebnisse sollten also nur als eine erste und sehr unsichere Annäherung an die tatsächliche Krankheitslast interpretiert werden«, sagt auch UBA-Experte Plaß. Als einen Grund gibt er an, dass die Analyse auf einem veralteten Berechnungsmodell von 2016 basiere. Es sei davon auszugehen, dass neue Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Schadstoffen und gesundheitlichen Auswirkungen, zum Beispiel Feinstaub und Diabetes Typ 2, nicht einbezogen wurden.

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