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Apothekenreform 
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Pharmaindustrie sieht noch Nachbesserungsbedarf

Das Bundesgesundheitsministerium hat für den heutigen Donnerstag zahlreiche Verbände eingeladen, sich im Haus zur geplanten Apothekenreform zu äußern. Mehrere Verbände haben bereits vorab Stellungnahmen verfasst. Die deutsche Pharmaindustrie sieht gute Ansätze in dem Reformvorhaben – aber auch konkreten Nachbesserungsbedarf. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 06.11.2025  08:00 Uhr

Leichter Zugang zu Impfungen

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) äußert sich insbesondere lobend über das Vorhaben, die Impfangebote in Apotheken deutlich zu erweitern. Der Verband bemängelt allerdings, dass es diese Angebote nur für Volljährige geben soll und schlägt stattdessen vor, dass auch 16- und 17-Jährige die Möglichkeit erhalten sollen, sich in einer Apotheke impfen zu lassen. »Die Erfahrung zeigt, dass die Impfung gegen SARS-CoV-2 in Apotheken bereits ab Vollendung des 12. Lebensjahres ohne weiteres umgesetzt werden konnte«, heißt es in der Stellungnahme. Auch in anderen Ländern hätten sich Impfangebote für Jugendliche bewährt. 

Der Verband verspricht sich zudem von der konsequenten Implementierung des elektronischen Impfpasses in der elektronischen Patientenakte eine weitere Steigerung der Impfquoten. Ein stets verfügbarer digitaler Impfpass mit personalisierten Impferinnerungen würde Impfungen für die Patienten deutlich vereinfachen. Der Staat solle außerdem niedrigschwellige Impfangebote in Schulen und Betrieben ermöglichen. »Für eine umfassende Inanspruchnahme von neuen Impfungen sind Rahmenbedingungen erforderlich, die den unmittelbaren Anspruch der Versicherten sicherstellen, sowohl in Arztpraxen als auch in Apotheken«, so der vfa. 

Außerdem regt der vfa die Schaffung neuer pDL, beispielsweise zu kardiometabolischen Erkrankungen, an. »Intensivierte Bemühungen zur Förderung der Früherkennung, flankiert von leitliniengestützten medikamentösen Therapien, reduzieren die Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen und können zur Entlastung des Gesundheitssystems beitragen«, so der Verband. 

Abbau von Bürokratie 

Der Pharmaverband Pro Generika nimmt in seiner Stellungnahme vor allem das Thema Bürokratieabbau ins Visier. Der Verband beklagt, dass die geplante Flexibilisierung der Substitution nicht ausreichend rechtssicher geregelt sei. Diese sei für die Apothekerschaft und die Industrie gleichermaßen wichtig.

»Es muss Klarheit darüber besteht, unter welchen Bedingungen eine Substitution möglich ist und mit welchen Arzneimitteln dann eine Substitution vorzunehmen ist. Diese Klarheit muss auch vor dem Hintergrund möglicher Ersatzansprüche aus den Rabattverträgen geschaffen werden«, heißt es in der Stellungnahme. Pro Generika fordert daher einheitliche Regeln, die Voraussetzungen und Rechtsfolgen klar definieren. 

Mit Blick auf den Bürokratieabbau seien auch Änderungen bei der Abrechnung von Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln nötig. »Es erscheint überflüssig, dass neben dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen weiterhin auch die einzelnen Krankenkassen bzw. Krankenkassenverbände Auskunftsansprüche haben sollen. Diese Auskünfte können nichts zur Anpassung der Hilfstaxe beitragen, obwohl die Auskunftsansprüche in erster Linie dem Ziel der Anpassung der Hilfstaxenpreise dienen sollen«, heißt es in der Stellungnahme von Pro Generika. 

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