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Tests durchkämmen Haar und fühlen Plomben auf den Zahn

Datum 20.12.1999  00:00 Uhr

- Pharmazie Govi-Verlag

Tests durchkämmen Haar und fühlen Plomben auf den Zahn

von Gertrude Mevissen, Eschborn

Wie in einem Tagebuch Seite für Seite, so lässt sich im Haar Zentimeter für Zentimeter der Mineralstoff-Status vergangener Zeiten ablesen. Auch im Speichel kann man der Gesundheit auf den Amalgo-verplombten Zahn fühlen.

Das Haar spiegelt als eines der stoffwechselaktivsten Gewebe den Nährstoffstatus des menschlichen Körpers wieder. Die Haarpapille, der untere Teil der Haarwurzel ist stark durchblutet. Die Bildung neuer Haarzellen erfolgt ausschließlich in der Papille. Junge, unverhornte Zellen differenzieren sich dabei zu Mark-, Rinden-, und Oberhautzellen und verdrängen ältere Haarzellen in die Haarwurzel. Abhängig von der Versorgung mit Nährstoffen, Mineralien und Spurenelemente, aber auch Umweltgiften, wie Blei und Quecksilber, ergibt sich eine bestimmte chemische Zusammensetzung neu gebildeter Haare. Beim anschließenden Verhornungsprozess werden die aufgenommenen Stoffe fest in die Mikrostruktur des Haares eingebaut, so dass man sie noch nach hundert Jahren im konservierten Haar nachweisen kann.

Mit dem Analyse-Kit "Haarminerale" kann eine drei Zentimeter lange Haarsträhne untersucht werden, die Auskunft über den Stoffwechselstatus der letzten drei Monate gibt. Die Untersuchung erlaubt Rückschlüsse darauf, ob der Mineralstoffhaushalt ausgeglichen ist, welche Stoffe dem Körper fehlen oder welche Substanzen ihn möglicherweise belasten. Da jedoch auch äußere Einflüsse, wie Färben, intensives Waschen und Staub den Mineralstoffgehalt im Haar beeinflussen können, dient die Haaranalyse nur als grobe Beurteilung von Mangelzuständen und Überversorgung.

Der Kunde gibt die Haarprobe in der Apotheke ab, von wo sie an ein staatlich anerkanntes Analysenlabor gesandt wird. Das Ergebnis liegt etwa eine Woche später als Analysenprotokoll in der Apotheke vor. Neben allgemeinen Hintergrundinformationen erhält der Kunde auch gezielte Tipps zur Sanierung seines Mineralienhaushalts.

Pharmadies-Test Amalgam

Der Amalgo-Test ist ein Quecksilber-Speicheltest, mit dem Quecksilberbelastungen aus Amalgam-Zahnfüllungen ermitteln werden. Ob und inwieweit Zahnfüllungen aus Amalgam die Gesundheit gefährden, ist bis heute unklar. Amalgam besteht neben Zinn, Kupfer, Zink und Silber bis zu 51 Prozent aus toxischem Quecksilber. Chronische Schwermetallvergiftungen führen zu zentralnervösen Störungen, wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Appetitlosigkeit.

Wie eine Studie des Universitätsklinikums Kiel kürzlich zeigte, sind mögliche Gesundheitsschäden neben der individuellen Empfindlichkeit vor allem von der freigesetzte Menge an Schwermetall abhängig. Mehrere Faktoren bestimmen dabei das Ausmaß der Freisetzung: Zustand der Füllung (Alter, Qualität, Verarbeitung), mechanische Belastungen (Kauen, nächtliches Zähneknirschen), pH-Wert-Verschiebungen sowie elektrische Ströme, zum Beispiel wenn Amalgamfüllungen neben Goldplomben liegen.

Der Amalgo-Speicheltest empfiehlt sich insbesondere bei Zähneknirschern und Kunden mit relativ alten Zahnfüllungen. Diese entnehmen zu Hause zwei Speichelproben - eine vor und eine nach zehnminütigem Kaugummikauen - und bringen sie zurück in die Apotheke. Wie auch bei anderen Umwelttests, leitet die Apotheke die Proben an ein Analysenlabor weiter, wo die Quecksilbermenge mit einem Atomabsorptionsspektrometer bis zu einer Konzentration von 2mg/l ermittelt wird. Die beim Kauvorgang aus Amalgam freigesetzte Menge an Quecksilber ergibt sich aus der Differenz der Werte von Kau- und Ruhephase. Anhand der Richtwerte läßt sich die Quecksilberbelastung ermittelen, die je nach Anzahl der Füllungen von 25mg/l in der Ruhephase auf bis zu 60 bis 80mg/l in der Kauphase ansteigen kann. Laut WHO sollte im Speichel ein Wert von 40 mg/l Quecksilber nicht überschritten werden. Top

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