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Volles Programm für pAVK-Patienten

Datum 27.01.2003  00:00 Uhr

PHARMAZIE

Sekundärprävention

Volles Programm für pAVK-Patienten

 

von Brigitte M. Gensthaler, München

Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes und peripherer arterieller Verschlusskrankheit brauchen bis zu neun verschiedene Medikamente für eine optimale Einstellung, vertritt der Kardiologe Professor Dr. Christian Holubarsch, ärztlicher Direktor der Herz-Kreislauf-Klinik in Waldkirch.

In Deutschland leiden etwa 4,5 Millionen Menschen an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), einer Verengung der die Gliedmaßen versorgenden Arterien. Allerdings sind selten allein die Gefäße in den Beinen betroffen. Da eine pAVK meist eine generelle Atherosklerose anzeigt, sind Betroffene stark gefährdet, eine koronare Herzkrankheit (KHK) zu entwickeln und an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben. Ihre Lebenserwartung ist im Schnitt um zehn Jahre verkürzt. Zwei Drittel der pAVK-Patienten haben bereits eine KHK, wenn sie zum Arzt gehen. Salopp gesagt: „Es lohnt sich, nicht nur auf die Füße, sondern auch auf das Herz zu schauen“, erklärte der Arzt in München bei einer von Bristol-Myers Squibb unterstützten Veranstaltung.

Diabetes verdoppelt KHK-Risiko

Das Gefäßproblem verschärft sich bei Diabetikern. Neun von zehn haben eine Atherosklerose, rund jeder vierte eine kardiovaskuläre Erkrankung.

Die meisten pAVK-Patienten seien Raucher, berichtete Holubarsch. Verzicht aufs Rauchen und Gewichtsabnahme bilden daher die Basis der Therapie. Ein systematisches Bewegungstraining, zum Beispiel Wandern oder Laufen, lasse Kollateralen wachsen, die die Blutversorgung in den Beinen verbessern. Regelmäßige Fußinspektionen helfen, Verletzungen, Wunden und Geschwüre an Füßen und Beinen frühzeitig zu erkennen. Für ältere Patienten ist dies – trotz eines Spiegels – oft schwierig. Hier könne der Partner helfen.

Strenge Zielwerte

In der Sekundärprävention müsse ein Patient mit pAVK, Diabetes und Bluthochdruck umfassend medikamentös versorgt werden, forderte der Kardiologe. Die Therapie umfasst vier Bereiche (Tabelle).

Zum einen muss der Blutdruck optimal eingestellt werden. Da ACE-Hemmer und AT1-Hemmer („Sartane“) kardio-, glomerulum- und vasoprotektiv wirkten, seien sie Mittel der ersten Wahl. Betablocker, eventuell zusätzlich Diuretika und Calciumantagonisten ergänzen das antihypertone Sortiment. Nach Erfahrung des Kardiologen brauchen die meisten Patienten vier Wirkstoffe, um den Blutdruck im erforderlichen Maß zu senken. Eine Blockade des Renin-Angiotensin-Systems reduziere zudem das Thromboserisiko.

Ebenso streng sind die Zielwerte bei einer Dyslipidämie. Doch unabhängig von ihrem LDL-Wert profitieren Atherosklerose-Patienten von einem Statin; große Studien haben gezeigt, dass diese Arzneistoffe das Risiko schwerer kardialer Ereignisse deutlich mindern können. Schließlich sollen Acetylsalicylsäure und Clopidogrel die Blutgerinnung in Schach halten und perorale Antidiabetika oder Insulin den HbA1C-Wert senken.

Ob ein älterer Patient täglich acht bis neun Medikamente verträgt und wie er deren korrekte Einnahme bewältigen kann, ließ Holubarsch offen.

 

Optimale Einstellung von Diabetikern mit Bluthochdruck und arterieller Verschlusskrankheit (nach Holubarsch)

Diabetes Nüchternblutzucker unter 120 mg/dl
Postprandialer Blutzucker unter 140 mg/dl
HbA1C unter 6,5 Prozent Blutdruck Optimaler Blutdruck unter 120/80 mm Hg Lipidwerte LDL-Cholesterol unter 100 mg/dl
Triglyzeride unter 150 mg/dl
HDL-Cholesterol über 50 mg/dl Blutgerinnung Thrombozytenaggregationshemmung

 

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