Kombination mitunter sinnvoll |
| 04.12.2000 00:00 Uhr |
Mit einer Kombination aus Statinen und Fibraten lassen sich die Blutfettwerte mitunter günstiger beeinflussen als mit einer Monotherapie. Die Patienten profitieren zudem von einem günstigeren Nebenwirkungsprofil. Darauf deuten neue Studienergebnisse aus Frankreich hin.
Die Statine gelten als wirksamste Stoffklasse, um erhöhte LDL-Cholesterolspiegel zu senken. Unter Fibraten steigen dagegen die Konzentrationen des schützenden HDL-Cholesterols an und die Triglyceridwerte sinken. Eine Kombination beider Stoffklassen bietet sich also bei Patienten mit schwerer Hypercholesterolämie an. In der Vergangenheit berichteten Wisssenschaftler jedoch häufig von unerwünschten Nebenwirkungen wie Myopathie oder Rhabdomyolyse, wenn Betroffene beide Substanzen parallel einnahmen.
Eine französische Arbeitsgruppe unter Leitung von Michel Farnier untersuchte kürzlich in einer kontrollierten klinischen Studie die Wirksamkeit einer Kombination aus Fluvastatin und Fenofibrat im Vergleich zu einer Monotherapie nur mit dem Fibrat. Alle Patienten hatten zu Studienbeginn eine schwere, primäre Hypercholesterolämie mit LDL-Spiegeln über 190 mg/dl und Triglycerid-Werten über 350 mg/dl. Nach zehn Wochen Auswaschphase währenddessen die Probanden sich einheitlich ernährten, erhielten die Teilnehmer täglich entweder 200 mg Fenofibrat plus Placebo, 20 mg Fluvasatin und 200 mg Fenofibrat oder 40 mg des Statins und die selbe Menge des Fibrats.
Nach 16 Wochen sanken unter Monotherapie die LDL-Spiegel im Schnitt um 21 Prozent, mit Hilfe der Kombination ließen sich das LDL-Cholesterol sogar um 32 beziehungsweise 41 Prozent senken. Die Triglycerid-Werte nahmen in der Monotherapie-Gruppe um 29 und in der Kombigruppe um 39 beziehungsweise 40 Prozent ab.
Unter der Kombinationstherapie konnten die Forscher weder eine histologische Schädigung der Muskulatur in Ruhe noch direkt nach körperlicher Betätigung nachweisen werden. Zudem beobachteten sie bei keinem Patienten eine Myopathie oder ein signifikanter Anstieg der Kreatin-Phosphokinase. Lediglich ein Patient musste die Kombinationstherapie wegen eines Anstiegs der Transaminasenspiegel abbrechen.
Der Frage nach der Sicherheit einer Kombinationstherapie aus Fibrat (Gemfibrozil) und Fluvastatin für die Skelettmuskulatur war der Niederländer Jan W.A. Smit bereits 1995 nachgegangen. Er beobachtete, dass weder Fluvastatin beziehungsweise Gemfibrozil noch die Kombination beider Lipidsenker eine Myopathie oder einen signifikanten Anstieg der Kreatinin-Phosphokinase bewirkte.
In den 90er Jahren waren israelische Wissenschaftler um Eran Leitersdorf und Osnat Eliav vom Hadassah University Hospital in Jerusalem mit zwei klinischen Studien der Frage nachgegangen, ob sich Fluvastatin mit Bezafibrat und Gemfibrozil kombinieren lässt. Hier sanken die LDL-Werte bei einer Kombination des Statins mit 400 mg Bezafibrat um 35 und die Triglyceridwerte um 25 Prozent. Die HDL-Werte stiegen um 21 Prozent.
In einer weiteren Studie untersuchte Leitersdorf die Hochdosis-Kombination von 80 mg Fluvastatin und 400 mg Bezafibrat bei Patienten mit heterozygoter familiärer Hypercholerinämie. Hier sank das LDL-Cholesterol um 38 Prozent. Eine klinisch relevante Erhöhungen von Leberwerten oder Kreatinkinase trat nicht auf.
Literatur
(1) Eliav, O., et al., High-Dose Fluvastatin and Bezafibrate
Combination Treatment for Heterozygous Familial Hypercholesterolemia, in: The American
Journal of Cardiology, 1995, Volume 76, 76A - 79A
(2) Farnier, M., Dejager, S., Effect of Combined Fluvastatin-Fenofibrate Therapy Compared
With Fenofibrate Monotherapy in Severe Primary Hypercholesterolemia, in: The American
Journal of Cardiology, 2000, Volume 85, 53 - 57.
(3) Leitersdorf, E., et al., Efficacy and Safety of a Combination Fluvastatin-Bezafibrate
Treatment for Familial Hypercholesterolemia: Comparative Analysis with a
Fluvastatin-Cholestyramine Combination. Am. J. Cardiology, 96 (1994) 401 - 407.
(4) Leitersdorf, E., Muratti, E. N., Eliav, O., Efficacy and Safety of Triple Therapy
(Fluvastatin-Bezafibrate-Cholestyramine) for Severe Familial Hypercholesterolemia. Am. J.
Cardiology 76 (1995) 84A - 88A.
(5) Pauciullo, P., et al., Efficacy and Safety of a Combination of Fluavastatin and
Bezafibrate in Patients with Mixed Hyperlipidaemia. Atherosclerosis, 150 (2000) 429 - 436.
(6) Smit, J. W. A., et al., Treatment of Combined Hyperlipidemia with Fluvastatin and
Gemfibrozil, Alone or in Combination, Does Not Induce Muscle Damage, Am. J. Cardiology 76
(1995) 126A - 128A.
© 2000 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de